Was bedeutet TfP (nicht)?

Was bedeutet TfP (nicht)?

TfP – Time for Prints: Nahezu jeder Fotograf hat diesen Begriff mehr als einmal in seinem Leben gehört und das nicht immer in einem positiven Kontext. Das TfP Prinzip ist eine Alternative zum Shooting gegen Bezahlung (sei es nun das Model oder der Fotograf der bezahlt). Alle Beteiligten investieren Zeit und Arbeit in das Shooting und erhalten anstelle eines Honorars schlicht und einfach die Abzüge der finalen Bilder – wobei heutzutage die digitale Form wohl verbreiteter sein dürfte und die Bezeichnung Time for Pictures wohl angebrachter wäre. Anstatt direkt auf den Sinn des TfP Shootings einzugehen, möchte ich ein paar Worte darüber loswerden, was TfP nicht bedeutet, denn daraus erschliesst sich ein grosser Teil der Idee von selbst.
Studiofotografie Linda

 

„Toll, ein kostenloses Shooting!“

 

Gerade in der Weihnachtszeit wird der Posteingang so mancher Fotografen regelrecht mit TfP Anfragen überflutet: „Hi, mein Freund und ich suchen einen Fotografen für ein Pärchenshooting. Gerne auf TfP Basis!“. Leider muss ich euch enttäuschen, denn TfP ist kein Zauberwort um kostenlos an ein tolles Shooting zu kommen. Wenn ihr keine Erfahrung vor der Kamera habt, könnt ihr nicht damit rechnen, dass ein Fotograf seine Zeit für ein TfP Projekt aufwendet. Schlicht und einfach deshalb, weil eben nicht bloss aus Spass geshootet wird, sondern auch um künstlerisch weiter zu kommen und das Portfolio aufzuwerten. Das Model ist dabei ebenso entscheidend, wie der Fotograf. Grundsätzlich sollten sich die Portfolios aller Beteiligten auf einem vergleichbaren Niveau befinden. Bestimmt findet sich ein Fotograf, der sich für ein TfP Pärchenshooting gewinnen lässt: Ein absoluter Neueinsteiger ohne Portfolio. Die Bilder werden dementsprechend ausfallen. Mein Tipp: Sucht euch einen guten Fotografen in eurer Umgebung und bezahlt für euer Shooting einen angemessenen Preis – dann geht ihr auch mit guten Bildern nachhause.

 

„Toll! Kostenloses Make Up und Topmodels ohne Gage!“

 

Das Gegenbeispiel zum ersten Fall: Ein Fotograf sieht in einem TfP Projekt die Chance, ein professionelles Shooting nach seinen eigenen Vorstellungen umzusetzen. Models und Visas sind bloss Werkzeuge um sich ein tolles Portfolio aufzubauen. Nun, so funktioniert es auch nicht. Nicht nur der Fotograf, sondern auch alle anderen Beteiligten investieren Zeit und Arbeit in das Shooting und sollten als gleichwertige Partner betrachtet werden. Schliesslich wollen auch sie sich künstlerisch weiterentwickeln und ihre Ideen ins Shooting miteinbringen. Wer ein Team möchte, das die eigenen Vorstellungen ohne Wenn und Aber umsetzt, so sollte man dieses auch entsprechend bezahlen. Im Idealfall bringen sich alle Beteiligten kreativ in ein TfP Projekt ein und niemand geht mit dem Gefühl nachhause, kostenlos eine Dienstleistung erbracht zu haben, ohne seine eigenen Ideen umsetzen zu können.
Studiofotografie Melanie

 

„Toll! Eine ganz unverbindliche Sache“

 

Viele nehmen TfP Shootings auf die lockere Schulter: Kein Geld, kein Druck! Das ist schön und gut, denn TfP Projekte sind eine tolle Möglichkeit, neues zu versuchen und daran auch scheitern zu können. In diesem Sinne ist der fehlende Druck eine tolle Sache. Wenn nun aber die beste Freundin anruft oder sich ein Kumpel auf ein Bierchen treffen möchte, so stellen manche das vereinbarte Shooting hinten an. Ist ja schliesslich kein bezahlter Auftrag, also ist das auch nicht weiter schlimm. Falsch! Alle Beteiligten haben ihre Arbeit in dieses Projekt gesteckt und das ebenfalls ohne jegliche Vergütung. Konzepte und Ideen wurden erarbeitet, die Zeit wurde freigehalten und evt. wurden gar Investitionen getätigt (Raum- oder Equipmentmiete, Requisiten, Make Up, und so weiter). Nicht nur aus diesen Gründen, sondern ganz allgemein ist es respektlos einen TfP Termin kurzfristig aus fadenscheinigen Gründen abzusagen oder gar ohne Abmeldung nicht zu erscheinen. Fast jedes Model stand schon kurzfristig ohne den Fotografen da und umgekehrt und nur zu oft warteten beide vergeblich auf die Visagistin. Das geht so weit, das manche Leute die Fotografie als ihr Hobby an den Nagel gehängt haben oder sich anderen Genres zuwendeten. Sowas ist einfach nur traurig und eigentlich vermeidbar: Nehmt TfP Projekte Ernst und haltet euch an Vereinbarungen. Natürlich kann es zu unvorhersehbaren Situationen kommen, die ein Projekt kurzfristig unmöglich machen – etwa ein Unfall oder andere tragische Ereignisse. Sprecht mit den Beteiligten, denn wer etwas auf sich hält, zeigt in solch einem Fall Verständnis.

 

Warum TfP dennoch eine tolle Sache ist

 

Die vielen Negativbeispiele haben vielleicht so manchen abgeschreckt. Dennoch spreche ich mich klar für TfP Shootings aus. Für Einsteiger bieten sie eine tolle Möglichkeit, sich Kenntnisse in der Lichtführung, Retusche, Posing etc. anzueignen. Aber auch erfahrene und erfolgreiche Models und Fotografen können von TfP Projekten profitieren. Das eigene Portfolio kann durch freie Arbeiten erweitert werden, neues kann ausprobiert werden und nicht zuletzt ist es einfach nur toll, mit anderen Menschen kreativ zu arbeiten. Alle bringen ihre Ideen und Talente in ein Shooting mit ein und freuen sich über die tollen Resultate, die auf diesem Weg entstehen können. In diesem Sinne: Überlegt euch gut, ob ihr TfP Shootings pauschal ablehnen möchtet. Sinnvoller ist es meiner Meinung nach, regelmässig mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten, die sich auf einem ähnlichen Niveau befindet. Denn wenn ihr als Künstler eins akzeptieren müsst, dann ist es die Tatsache, das ihr noch nicht am Ende angelangt seid und euch stets weiterentwickeln könnt. TfP Projekte werden euch dabei helfen.
Outdoor Shooting Felicia
Übrigens: Solltet ihr Interesse an einem TfP Shooting mit mir haben, so freue ich mich selbstverständlich über eure Bewerbung!

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