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Schlagwort: Sättigung

Den Blick des Betrachters führen

Den Blick des Betrachters führen

Bei jedem Bild solltet ihr euch fragen: Was will ich zeigen? Was soll das Bild aussagen? Was ist eigentlich das Hauptmotiv – der Knochen – und was ist bloss das Fleisch drum herum? Im heutigen Beitrag geht es um die Frage, die darauffolgt: Wisst bloss ihr, was das Hauptmotiv ist, oder weiss es auch der Betrachter? Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte, aber das gilt auch nur dann, wenn ihr eure Bilder sprechen lassen könnt. Wie wir nun den Blick des Betrachters auf das wesentliche lenken können, möchte ich euch ein wenig genauer vermitteln.

 

Störende Bildelemente vermeiden

 

Wenn wir mit unserem Blick über ein Bild wandern, bleiben wir an manchen Stellen hängen, während wir andere schlicht und einfach überfliegen. Wenn wir also unsere Bilder erstellen, wollen wir, dass der Betrachter genau da hängen bleibt, wo er hängen bleiben soll. Stellt euch ein Portrait vor: Schön ausgeleuchtet, ein tolles Model mit tollem Ausdruck in einer stimmungsvollen Szene – das einzige was nicht passt: Das Model hat einen gigantischen, entzündeten Pickel auf der Stirn. Wo würde euer Blick wohl hängen bleiben? Bei den Augen, der Mimik, der Pose oder dem tollen Kleid? Wohl kaum: Wahrscheinlich würden die meisten wie gebannt den Pickel anstarren. In diesem Fall liefert uns Photoshop natürlich ganz einfache Hilfsmittel um das Problem zu beheben, aber ich denke, das Beispiel ist einleuchtend.

Versucht also störende Bildelemente konsequent zu vermeiden. Angeschnittene, unkenntliche Schilder, Äste oder andere Gegenstände an den Bildrändern, unruhige Hintergründe oder Sensorflecken stören ebenso wie Halos und chromatische Aberration um Bäume oder Berge. Flecken auf T-Shirts gehören raus gewaschen oder zumindest retuschiert und künstliche Bilderrahmen gehen in 99% aller Fälle sowieso gar nicht. Kurz: Setzt alles daran, dass euer Motiv der Blickfänger eures Bilds ist und nicht ein störender Fehler.

 

Komposition

 

Nutzt die Möglichkeiten der Komposition um euer Motiv gezielt hervorzuheben. Leading Lines sind eine Möglichkeit um den Blick des Betrachters zu führen. Ausserdem könnt ihr gezielt mit Perspektiven, Distanzen und Brennweiten arbeiten: Wenn ihr ein extrem Weitwinkliges Objektiv verwendet, gewinnt der Vordergrund massiv an Gewicht, während Objekte im Hintergrund verschwindend klein abgebildet werden. Spielt mit Distanzen zwischen einzelnen Bildelementen (Etwa: Zusammen, was zusammengehört) oder zwischen dem Motiv und eurer Kamera. Bestimmt kennt ihr den Spruch: «Wenn dein Bild nicht gut ist, bist du nicht nahe genug». Das dürfte ein weiterer Anhaltspunkt für eure Bilder sein.

 

Helligkeit, Farbe und Schärfe

 

Weiter solltet ihr euch darauf achten, dass sich euer Motiv durch weitere Aspekte vom Rest des Bildes abgrenzt. Dabei gilt die Devise: Der Betrachter bleibt an hellen, gesättigten, scharfen und kontrastreichen Elementen hängen. Ein erster Schritt ist es also, die Helligkeitsinformationen eures Bildes zu analysieren. Betrachtet es dazu beispielsweise mal in schwarzweiss (z.B. in Lightroom über den Shortcut «V»). Wandert euer Blick sofort zum Hauptmotiv oder irrt er ziellos umher? Es kann sinnvoll sein, mit einer Vignettierung zu arbeiten – das heisst, unwichtige Bildinformationen an den Rändern werden abgedunkelt und euer Motiv ggf. aufgehellt. Unter anderem aus diesem Grund, solltet ihr auf kitschige, weisse Vignetten verzichten. Die sehen nicht bloss amateurhaft aus, sondern ziehen die Aufmerksamkeit des Betrachters vom Motiv auf die Vignettierung. Dasselbe gilt für die Sättigung: Ist euer Motiv ungesättigt und in einer knallig bunten Umgebung, wird es dem Betrachter kaum ins Auge springen – eine leuchtend gelbe Blume in einer kargen Landschaft hingegen schon. Dass ihr euer Motiv über Schärfe und Unschärfe hervorheben könnt, gehört wohl zu den grundlegendsten Lektionen der Fotografie. Fotografiert ihr etwa besonders offenblendig, verschwindet der unruhige Hintergrund in einer zarten Unschärfe, während das eigentliche Motiv umso schärfer in den Vordergrund tritt.

Ich hoffe, ich konnte euch ein paar Anhaltspunkte liefern, um den Blick des Betrachters in Zukunft besser lenken zu können. Schreib eure Meinung, Fragen und Anmerkungen in die Kommentare und postet gerne eure Beispiele an meine Facebook Pinnwand. In diesem Sinne wünsche ich euch viel Erfolg bei der Umsetzung!