Mehr Belichtungen, weniger Bildbearbeitung

Mehr Belichtungen, weniger Bildbearbeitung

Ich arbeite sehr oft mit mehreren Belichtungen pro Bild. Das hat unterschiedlichste Gründe: Kombiniere ich in der Bildbearbeitung etwa eine Aufnahme der blauen Stunde mit einer Aufnahme der Milchstrasse, kann ich die Landschaft unter dem Sternenhimmel mit enorm viel Details und ohne Rauschen abbilden. Auch starke Kontraste lassen sich in den Griff kriegen – sei es durch HDR Tone Mapping oder in meinem Fall durch manuelles Überblenden. Dazu kommen Themen wie Fokus Stacking oder das Entfernen von Lensflares.

 

Überblenden kann die Bildbearbeitung verkürzen!

 

In meinen Anfängen habe ich den Dynamikumfang meiner Kamera gnadenlos ausgenutzt: Die Aufnahme wurde so stark unterbelichtet, dass nichts ausbrennt und die dunkeln Bildbereiche in der Bildbearbeitung einfach aufgehellt. Das mag mit modernen Kameras zwar erstaunlich gut funktionieren, jedoch zum Preis einer schlechteren Bildqualität durch Rauschen. Das mag viele nicht stören und um ehrlich zu sein: Auf Facebook und in anderen sozialen Medien würden die meisten wohl keinen Unterschied bemerken. Ich versuche jedoch, das Maximum aus meinen Landschaftsbildern rauszuholen und spätestens bei grossen Prints zahlt sich der Mehraufwand aus.

In manchen Fällen kann das Überblenden mehrerer Belichtungen aber auch Zeit sparen. Als Beispiel dazu empfehle ich mein kurzes Tutorial zum Thema „Lensflares entfernen“. Du kannst dir sicher vorstellen, dass ein Entfernen durch klassische Bildretusche deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen könnte. Erst kürzlich sah’ ich mich selbst wieder mit der Thematik konfrontiert und hätte mir gewünscht, ich hätte eine weitere Belichtung aufgenommen.

Sensorflecken
Sensorflecken oben links.

Jedes bietet sich in einem kleinen Zeitfenster die Möglichkeit, blühende Kirschbäume zu fotografieren – besonders im Aargauer Fricktal finden sich unzählige von ihnen. Aufgrund des extrem kurzen Zeitfensters von wenigen Wochen oder gar Tagen nahm ich die Reise also mit Kamera und Stativ auf mich. Das Wetter war toll: Endlich wieder ohne Winterjacke den Sonnenuntergang einfangen! Der wolkenlose Himmel ist allerdings alles andere als fotogen – ein paar lila Wolken hätten bestimmt für eine deutlich romantischere Stimmung gesorgt. In solchen Fällen muss man allerdings nehmen, was man kriegt.

Um also doch noch etwas Spannung in die Szene zu bringen, entschied ich mich für einen Sonnenstern: Die stark geschlossene Blende lässt die Sonne über dem Horizont strahlen. Allerdings sorgt sie auch für eher unangenehme Nebeneffekte, gerade in der Kombination mit Gegenlicht. Klingelts? Sensorflecken! Die Dinger lassen sich kaum vermeiden und gerade dann, wenn mal wieder eine Reinigung fällig wäre können sie besonders lästig werden. Dabei gilt: Je geschlossener die Blende, desto mehr und desto stärkere Sensorflecken.

Insgesamt habe ich drei Belichtungen aufgenommen: Eine für den Himmel und den Sonnenstern, eine ausgewogene Belichtung für die Landschaft und eine Überbelichtung für die Schatten. Die Rechnung habe ich dabei aber ohne die lästigen Dinger gemacht: Zuhause am Computer bemerkte ich erst die gewaltige Anzahl an Sensorflecken. Mein Tipp für euch, solltet ihr euch den zusätzlichen Aufwand in der Bildbearbeitung sparen wollen: Nehmt eine zusätzliche Belichtung mit einer offenen Blende auf – z.B. F 5.6 oder versucht es doch mal bei maximaler Offenblende. Auf Schärfe im Himmel kann man in vielen Fällen verzichten. Meistens reduziere ich sie sogar in der Bildbearbeitung. Hätte ich eine zusätzliche Belichtung aufgenommen, hätte ich in Photoshop bequem mithilfe einer Maske über die Sensorflecken malen können – eine Sache von wenigen Sekunden, ganz im Gegensatz zum klassischen Wegstempeln, das mich viel Zeit gekostet hat. Probier es aus!

PS: Natürlich will ich euch die fertigen Bilder nicht vorenthalten:

Kommentar verfassen