Grundlagen: Kameraeinstellungen

Grundlagen: Kameraeinstellungen

Der heutige Beitrag soll sich an Fotografen in ihren Anfängen richten: Kameraeinstellungen! Dabei möchte ich die drei Grundeinstellungen vorstellen und erklären, sowie einige Worte über den Sinn und Unsinn von möglichen Rezepteinstellungen loswerden.

Oft werde ich gerade bei etwas aufwändigeren Landschaftsbildern gefragt, welche Einstellungen ich den verwendet habe. Die Intention dahinter ist natürlich, ein Bild und seine Entstehung besser zu verstehen und diese Informationen in die eigene Fotografie mit einbringen zu können. Für die absoluten Einsteiger möchte ich an dieser Stelle erst ein paar Grundlagen vermitteln: Welche Kameraeinstellungen gibt es eigentlich und wie beeinflussen sie die Aufnahme?

Dazu ist es wichtig, zu verstehen, was genau geschieht, wenn der Fotograf den Auslöser betätigt. Die Blende innerhalb des Objektivs verschliesst sich bis auf eine bestimmte Grösse, der Spiegel klappt hoch und der Verschluss öffnet sich. Solange dieser offen ist, fällt Licht auf den Sensor. Nach einer bestimmten Zeit geht der Verschluss wieder zu und die Aufnahme ist im Kasten. Das ist nun sehr einfach dargestellt, doch im Grundsatz reicht dies aus, um die Kameraeinstellungen zu verstehen.

 

1. Die Blende

 

Die Blende ist also die Öffnung durch die das Licht während der Aufnahme fällt. Je grösser diese Öffnung desto mehr Licht fällt also auf den Sensor, was man sich beispielsweise analog zu einem halb offenen und einem voll geöffneten Wasserhahn vorstellen könnte. Je offener die Blende desto heller wird die Aufnahme. Nun hat die Blende weitere Eigenschaften, die es zu berücksichtigen gilt. Ist die Blende sehr weit geöffnet, so ist lediglich ein kleiner Teil des Bildes scharf. Alles vor und hinter dem fokussierten Objektiv verschwindet in Unschärfe. Ist dieser Effekt gewollt (etwa bei Portraits) so wählt man eine offene Blende (d.h. einen kleinen Blendenwert, wie etwa f/2.8). Möchte man hingegen eine durchgängige Schärfe, so wählt man eine geschlossene Blende (d.h. einen hohen Blendenwert, wie etwa f/8, f/11 oder mehr). Die meisten Objektive liefern bei f/8 die grösste Schärfe. Ist die Blende offen oder sehr weit geschlossen, leidet die Abbildungsqualität, was aber durchaus in Kauf genommen werden kann, wenn das Bild dies erfordert.

Fotografieren lernen: Blende
Fotografieren lernen: Blende

2. Die Belichtungszeit

 

Die Belichtungs- oder auch Verschlusszeit bestimmt, wie lange der Verschluss geöffnet bleibt, d.h. wie lange Licht auf den Sensor fällt. Fällt Licht über längere Zeit auf den Sensor, so ist die Folge ein helleres Bild. Dies ist naheliegend und wohl die intuitivste Einstellung für werdende Fotografen. Dabei gilt natürlich: Je kürzer die Verschlusszeit, desto einfacher ist es, ein scharfes Bild zu kriegen. Der Grund dafür sind bewegte Objekte oder die leichte Verwackelungen des Fotografen. Eine besonders lange Verschlusszeit kann jedoch durchaus gezielt eingesetzt werden. Verwendet der Fotograf ein Stativ, so kann er durch lange Verschlusszeiten etwa ein Gewässer glätten oder Autos im Strassenverkehr in Lichtstreifen zu verwandeln.

Wird ohne Stativ fotografiert, so gilt als Faustregel, dass die Belichtungszeit nie länger sein sollte, als der Kehrwert der Brennweite. Wird also mit einem 200mm Teleobjektiv fotografiert, so sollte 1/200s oder kürzer belichtet werden. Eingebaute Bildstabilisatoren und eine korrekte, ruhige Kamerahaltung ermöglichen in Grenzsituationen auch etwas längere Verschlusszeiten, wobei natürlich entsprechende Vorsicht geboten ist.

Fotografieren lernen: Verschlusszeit
Fotografieren lernen: Verschlusszeit

3. ISO: Die Sensorempfindlichkeit

 

Die Einstellung des ISO Werts regelt die Empfindlichkeit des Sensors. ISO 100 ist dabei in den meisten Fällen der Grundwert, also die eigentliche native Sensorempfindlichkeit. Je höher der ISO Wert desto sensibler reagiert der Sensor auf das Licht, das auf ihn fällt. Ist die Sensorempfindlichkeit doppelt so hoch (also z.B. ISO 400 statt 200), so benötigt der Sensor bloss halb so viel Licht für ein gleich helles Bild. Damit ist es dem Fotografen also möglich, die Blende weiter zu schliessen oder kürzer zu belichten, was jedoch mit dem sogenannten Sensorrauschen erkauft wird. Je höher der ISO desto stärker ist das Rauschen. Wo die Höchstgrenze des ISO liegt, hängt davon ab, wie viel Rauschen der Fotograf in Kauf nehmen möchte und damit natürlich auch vom Rauschverhalten der Kamera. Dieses ist eines der zentralen Kriterien beim Kamerakauf, falls auch in Situationen mit wenig Licht fotografiert werden soll. In der Regel möchte man den ISO Wert möglichst tief halten, es sei denn, das Rauschen soll als Stilmittel eingesetzt werden. Dies kann jedoch auch in der Nachbearbeitung geschehen, was den Vorteil einer besseren Kontrolle bietet.

Fotografieren lernen: ISO
Fotografieren lernen: ISO

Welche Einstellungen wähle ich und wie?

 

In der Regel startet man bei einem Ausgangspunkt – beispielsweise bei den Werten, die die Kameraautomatik liefert. Nun können die einzelnen Punkte eingestellt werden. Möchte ich ein helleres oder dunkleres Bild, so öffne oder schliesse ich die Blende bzw. erhöhe oder senke die Belichtungszeit oder den ISO Wert. Weiter kann ich die einzelnen Werte natürlich untereinander gegensteuern: Ich verdopple die Belichtungszeit und halbiere den ISO oder umgekehrt. Ein guter Ausgangspunkt ist jeweils das Einstellen der Blende je nach gewünschter Tiefenschärfe. Den ISO stelle ich auf 100 um die ideale Bildqualität zu erreichen. Nun beurteile ich die Belichtungszeit: Kann ich kurz genug belichten um ein scharfes Bild zu schiessen? Wenn nicht, kann ich entweder die Blende weiter öffnen (sofern die gewünschte Schärfentiefe das zulässt), den ISO erhöhen (sofern ich bereit bin ein stärkeres Rauschen in Kauf zu nehmen) oder ein Stativ verwenden.

Nun stellt sich die Frage, wie sich die Werte untereinander verhalten. Das Mass des Fotografen ist die sogenannte Blendenstufe. Wenn ich ein Bild um eine Blendenstufe mehr belichte, bedeutet dies, dass doppelt so viel Licht durch die Blende auf den Sensor gelangt, ich doppelt so lange belichte oder den Sensor doppelt so empfindlich einstelle. Eine Blendenstufe entspricht bei allen drei Faktoren genau drei Klicks am jeweiligen Einstellrad (sofern dies im Menü nicht anderweitig eingestellt wurde). Bei der Belichtungszeit oder dem ISO ist eine Erhöhung um eine Blendenstufe schnell ersichtlich (doppelt so hohe Werte). Bei der Blende ist das etwas schwieriger – da müsste man effektiv die Blendenreihe im Gedächtnis behalten. In der Praxis empfiehlt es sich, sich auf die entsprechende Anzahl Klicks am Einstellrad zu verlassen.

Um es nochmals zu unterstreichen: Erhöhe ich einen der drei Faktoren (Blende, Belichtungszeit, ISO) um eine Blendenstufe, so erhalte ich ein doppelt so helles Bild. Alternativ kann ich durch die anderen beiden Faktoren im gleichen Mass gegensteuern.

 

Was sind deine Einstellungen?

 

Macht diese Frage nun Sinn? Nur bedingt, denn die nötigen Einstellungen unterscheiden sich von Situation zu Situation. Die Einstellungen geben jedoch Auskunft darüber, wie der Fotograf mit einer schwierigen Lichtsituation umging (Blende, ISO oder Stativ). Es wird ersichtlich, dass der Fotograf ein Gewässer etwa bewusst geglättet hat und wenn ja mit welcher Belichtungszeit und auch ob er eine hohe Schärfentiefe erzielen wollte oder eher auf einen unscharfen Hintergrund setzte. Das alles ist in den meisten Fällen natürlich auch direkt am Bild ersichtlich und kann entsprechend im Umkehrschluss herausgelesen werden.

Wer das Grundkonzept der Kameraeinstellungen verstanden hat, ist in der Lage, Bilder entsprechend zu lesen. Weitere Fragen können manchmal angebracht sein (z.B. ISO Werte und Verschlusszeit bei Aufnahmen der Milchstrasse), wobei diese Informationen auf keinen Fall als eine Anleitung zum Erstellen eines Bildes verstanden werden sollten: Jede Situation ist einzigartig.

Ich hoffe, ich konnte möglichst vielen Personen eine Hilfestellung bieten. Habt keine Angst vor dem manuellen Modus! Übrigens: Im A Modus (bei Canon Av) könnt ihr die Blende und den ISO manuell wählen, während die Kamera automatisch die Verschlusszeit liefert. Im S Modus (bei Canon Tv) lässt sich die Belichtungszeit und der ISO einstellen und die Kamera liefert die Blende. Ausserdem lässt sich für jeden Modus im Menü die ISO Automatik aktivieren, so dass ihr beispielsweise automatisch nie unter einer bestimmten Verschlusszeit fotografiert. Ich persönlich nutze meist den M – und den A Modus ohne ISO Automatik.

Habt ihr weitere Fragen, Anmerkungen oder Kommentare? Postet sie gerne unter dem Beitrag oder schreibt mir per Mail, Facebook, Whatsapp oder allen anderen Kanälen auf denen ich vertreten bin – ich helfe euch gerne weiter!

 

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