Erste Schritte in der Drohnenfotografie

Erste Schritte in der Drohnenfotografie

Zurzeit steht ein riesiger Koffer in meinem Wohnzimmer. Darin wartet eine Drohne auf ihren Einsatz: Keine geringere als die DJI Inspire 1. Das „Spielzeug“ (wer einmal eine geflogen ist, weiss, dass der Begriff dem Gerät nicht gerecht wird) habe ich mir ausgeliehen um mich näher an das Thema heranzutasten. Die ersten Bilder sind mittlerweile im Kasten und ich möchte euch meine Erfahrungen natürlich nicht vorenthalten.

Rechtliche Situation prüfen (Stand 2017)

 

In der Schweiz ist die Gesetzgebung meiner Meinung nach relativ liberal. Die meisten Drohnen dürfen ohne Bewilligung geflogen werden. Wichtig ist, dass eine Versicherungspflicht besteht – die entsprechende Police muss dabei sein und jederzeit vorgewiesen werden können. Ich wohne zwischen zwei Militärflugplätzen. Hier gilt: Kein Flug ohne Bewilligung im Umkreis von 5km. Glücklicherweise befinde ich mich in einem Bereich zwischen den beiden Flugplätzen, in dem ich fliegen darf. Weiter gilt: Es muss stets Augenkontakt zur Drohne bestehen – es bietet sich also an, zu zweit zu fliegen: Ein Pilot und ein Fotograf. Dabei haben wir die Rollen natürlich immer mal wieder getauscht. Weitere Faktoren müssen ebenfalls geprüft werden (sind Menschenmengen in der Nähe? Verletze ich die Privatsphäre anderer?). Eine komplette Auflistung findet ihr in der Regel auf der Homepage der zuständigen Behörden.

 

Flug vorbereiten

 

Der Flug sollte gut geplant werden. Mit drei Akkus konnten wir insgesamt gerade mal 45 Minuten fliegen: In welchem Zeitfenster soll das alles also stattfinden? Wie sieht das Licht aus? Ist es noch zu hell, ist das Licht in der Regel langweilig. Ist es zu dunkel, leidet die Bildqualität (immerhin muss die Verschlusszeit im Rahmen bleiben und das Rauschverhalten ist bei einem so kleinen Sensor auch nicht gerade das Gelbe vom Ei).

Dazu kommt die Location: Eine solche Kiste lässt sich nicht ohne erheblichen Aufwand auf irgendeinen Berg schleppen – eine Anfahrtsmöglichkeit mit dem Auto weiss man da erst recht zu schätzen. Mit einer DJI Mavic sieht das natürlich etwas anders aus – alleine schon wegen dem Packmass tendiere ich eher zu diesem kleinen Modell (Ja, ich werde mir definitiv eine Drohne kaufen). Vor Ort muss die Drohne schliesslich zusammengebaut (d.h. die Kamera und die Rotoren werden montiert) und der Kompass kalibriert werden. Das funktioniert relativ unkompliziert und dauert nicht besonders lange. Die Fernbedienung und das Tablet sind ebenfalls schnell mit der Drohne verbunden.

Ein fester Untergrund für Start und Landung ist ebenfalls von Vorteil: Diese Erfahrung mussten wir machen, als wir im hohen Gras gelandet sind und die Drohne ihre Fähigkeiten als Rasenmäher unter Beweis gestellt hat: Den zusätzlichen Reinigungsaufwand hätte ich mir lieber gespart.

 

Fliegen und Spass haben

 

Nun geht es endlich los. Mit einem einfachen Fingerwisch hebt die Drohne vom Boden ab. Schnell merken wir: Man muss kein Flugzeug steuern können, um eine Drohne zu fliegen. Mithilfe von Kompass und GPS bleibt sie erstaunlich konstant in ihrer Position. Mit dem linken Hebel geht es hoch und runter und die Drohne lässt sich drehen. Mit dem rechten Hebel geht es nach vorne, nach hinten und nach links und rechts. Gerade weil sich alles so simpel anfühlt, sollte man sich selbst nicht überschätzen und stets konzentriert bei der Sache bleiben. Du kannst dir sicher vorstellen, welchen Schaden so ein Ding anrichten kann, wenn es aus hundert Metern Höhe unkontrolliert auf den Boden fällt.

Wer sich an die geltenden Gesetze und den gesunden Menschenverstand hält, hat nun seine Freude: Von da oben sieht die Welt doch ganz anders aus – vermeintlich langweilige Landschaften lassen sich durch die neuen Perspektiven schön inszenieren. Nach einigen Kamerafahrten versuche ich mich als Fotograf natürlich gleich an Einzelbildern. Der Dynamikumfang ist überraschend gut, jedoch ist der Unterschied zu meiner geliebten Vollformatkamera natürlich extrem. Mal eben die Tiefen am Computer um eine Blende hochziehen bedeutet, Bildrauschen in Kauf zu nehmen. Die Reserven in den Lichtern sind wiederum deutlich grösser als erwartet. Das nächste Mal werde ich allerdings definitiv mit Belichtungsreihen arbeiten. Auch Panoramaaufnahmen funktionieren problemlos und erlauben unglaubliche Perspektiven und was noch beinahe wichtiger ist: Der Spassfaktor ist riesig!

Mich persönlich hat der Drohnenvirus jedenfalls gepackt – ich werde die Lüfte definitiv noch einige Male mit der Inspire erkunden und mir so bald wie möglich eine Mavic besorgen um auch entlegenere Gebiete abzulichten. Eine Lösung um meine DSLR in die Luft zu kriegen (oder alternativ eine leichtere spiegellose Kamera) ziehe ich momentan nicht in Betracht. Natürlich: Die Möglichkeiten wären immens. Was aber bleibt, ist das Gewicht, da Packmass und nicht zuletzt die Frage, ob sich ein so hoher Preis auch wirtschaftlich für mich lohnt. Dazu kommt die zukünftige Entwicklung der Gesetzgebung: Niemand weiss, wo es hingehen wird, aber in vielen Ländern gibt es einen Trend zu sehr restriktiven Gesetzen. Wer weiss, vielleicht kann ich mich ja in ein paar Jahren doch nicht zurückhalten.

PS: Spätestens amm Ende des Fluges, darf natürlich auch das Drohnenselfie (Dronie? Drelfie?) Pflicht!

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