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Haida Clear Night Filter: Review

Haida Clear Night Filter: Review

Während den letzten Wochen hatte ich die Gelegenheit den Haida Clear Night Filter zu testen, der die negativen Effekte der Lichtverschmutzung reduzieren soll. Die Fragen dabei waren: Hält er, was er verspricht? Wann macht der Einsatz Sinn? Lohnt sich die Investition?

 

Kosten

Der Filter ist mit einem Preis von rund 300 CHF für das 150mm x 150mm System teuer – in etwa doppelt so teuer wie ein Haida ND Filter. Freundlicherweise hat mir das Team von fotichaestli.ch ein Exemplar zur Verfügung gestellt (Danke Markus und Ute!). Meine Meinung habe ich dennoch unvoreingenommen gebildet – ich würde euch definitiv nichts empfehlen, wovon ich selbst nicht überzeugt bin. Was liefert also der Haida Clear Night Filter und ist der Preis gerechtfertigt?

 

Funktionsweise

Der Filter blockt hauptsächlich Wellen im Bereich des typischen Kunstlichts (z.B. Metalldampflampen), während andere Wellen den Filter nahezu ungefiltert durchqueren.

Bei typischen Vergleichsbildern mit und ohne Filter besteht oft (auch meinerseits) der Verdacht, dass das Ding nichts anderes kann, als dem Bild einen Blaustich zu verpassen, was man ebenso gut über den Weissabgleich bewerkstelligen könnte. Meist liegen ja ausschliesslich JPG Daten „Out of Camera“ vor, was die wenigsten Fotografen interessieren dürfte (die wenigsten Leute, die sich Astro- und Nachtaufnahmen erstellen verzichten danach auf eine RAW Bearbeitung). Da der Filter sich aber insbesondere auf diese Wellenlängen auswirkt, handelt es sich dabei um mehr, als einen blossen Farbstich. Tatsächlich konnte ich feststellen, dass die Aufnahmen einen ganz eigenen Look erhalten, der zwar aufwändig nachgebaut werden konnte, sich aber von Aufnahmesituation zu Aufnahmesituation unterscheidet. In der Hinsicht lässt sich sagen: JA, der Clear Night Filter filtert effektiv die Lichtverschmutzung und ist definitiv etwas anderes, als eine simple magentafarbene Glasplatte.

 

Was macht der Clear Night Filter mit meinen Bildern?

Grundsätzlich wirkt sich der Filter visuell in erster Linie so aus, dass die gelblichen bis orangenen Bereiche, die durch Kunstlicht beleuchtet werden, einerseits etwas weniger hell erscheinen und andererseits Magenta eingefärbt werden. Der Farbstich wirkt sich tatsächlich kaum auf die anderen Bereiche aus und ist nicht intensiver, als es das Kunstlicht nicht ohnehin schon wäre. Leichte Verschiebungen im Grünbereich finden ebenfalls statt (schwächer), während Blautöne mehr oder weniger unangetastet bleiben. Auf den ersten Blick hat mir der Look sehr gefallen, jedoch muss ich bei längerer Betrachtung zugeben, dass er nicht unbedingt meinem Geschmack entspricht. Der typische Gelb-Blau-Kontrast der Blauen Stunde driftet in’s Grün vs. Magenta – gerade in dieser Situation würde ich den Filter nicht empfehlen. Nach dem Einbruch der absoluten Dunkelheit macht sein Einsatz etwas mehr Sinn. Mir persönlich gefällt der „Magenta-Look“ dennoch nicht besonders. Andere Fotografen meinten jedoch, dass sie ihn sehr cool finden. Natürlich ist das eine Frage des Geschmacks: Bildet euch selbst eine Meinung!

 

Brauche ich den Clear Night Filter für meine Astroaufnahmen?

Gerade dieser Bereich war besonders interessant für mich. Gehört dieses Ding in die Tasche jedes Milchstrasse-Fotografen? Gehört das Ding nachts fix vor mein Objektiv? Diesbezüglich konnte ich während meines Tests einige Erfahrungen sammeln.

Erstmal macht der Filter natürlich bloss dann Sinn, wenn man tatsächlich mit einer etwas stärkeren Lichtverschmutzung konfrontiert wird. Als ich ihn in den Dolomiten bei den Drei Zinnen getestet habe, konnte ich bloss sehr kleine Unterschiede zwischen den Aufnahmen feststellen, während die Bilder in der Region Luzern deutlich grössere Unterschiede aufweisen (ein weiteres Indiz dafür, dass der Filter mehr macht, als das Bild bloss etwas kühler wirken zu lassen).

In der Praxis stellt sich eigentlich immer die Frage, ob man tatsächlich eine weitere Schicht Glas vor seiner Linse platzieren will, denn wie so oft in der Fotografie handelt es sich dabei um ein Trade-Off. Der Filter schluckt ungefähr eine Blende Licht und das ist gerade in der Astrofotografie ein hoher Preis in Form von Bildrauschen. Im Gegenzug erhält man ein schöneres Ergebnis Out of Camera und spart Arbeit in der Nachbearbeitung (sofern man den Bildstil und die Farben ansprechend findet, was in manchen Situationen durchaus der Fall ist). Ich würde den Filter grundsätzlich nie in Situationen empfehlen, in denen die Kameraeinstellungen ohnehin schon am Anschlag sind. Mit einer 2.8er Blende ist oft ein ISO von 3200 oder 6400 notwendig – Werte die ich ungerne verdoppeln würde, denn viele Kameras werden kein brauchbares Ergebnis mehr liefern. Wenn du also mit ISO 6400 noch fotografieren kannst, ohne mit Überbelichtungen im Himmel zu kämpfen, würde ich den Filter auf keinen Fall einsetzen.

Interessanter ist der Filter in urbaneren Gegenden und ganz ehrlich: Selbst vor meiner Haustür in Richtung See war der Nutzen des Filters gering. Zwischen mir und dem Berg liegt ein weiteres Dorf und im Rücken die Stadt Luzern. Der Effekt des Filters beschränkte sich auf den Berg – aus Gelb/Orange wird Magenta, was durchaus auch in der Nachbearbeitung machbar gewesen wäre (die Frage ist: Habe ich Lust dazu und hätte ich intuitiv genau diese Entscheidung getroffen?). Brauchbar sind definitiv beide Versionen.

Genau hier kommen wir zum springenden Punkt: Ich kann über keine der Testsituationen sagen, dass mir der Filter ein Bild ermöglicht hat, dass ich ohne nicht hingekriegt hätte. Das ging so weit, dass ich die Kamera mitten in Luzern in den Himmel richtete um zu vergleichen, was ich mit und ohne Filter noch rausholen könnte. Es hat mit beiden kaum geklappt – das Kunstlicht ist einfach zu störend.

 

Fazit

Der Filter ist mit rund 300 CHF für die 150er und 200 CHF für die 100er Version relativ teuer. Der Test an sich war sehr interessant, denn der Effekt war oft nicht vorhersehbar und unterschied sich je nach Level der Lichtverschmutzung. In dieser Hinsicht kann ich klar sagen: Der Clear Night Filter ist mehr, als eine Glasscheibe mit Magentatönung.

Man sollte sich ganz genau überlegen, in welcher Situation sein Einsatz Sinn macht – interessant könnte er für diejenigen sein, die den Look ansprechend finden und oft Nachts in urbanen Gebieten unterwegs sind. In der Milchstrassenfotografie war der Filter für mich um ehrlich zu sein nicht besonders interessant – ich brauche jedes bisschen Licht, dass ich kriegen kann und wäre nur dann bereit gewesen, eine Blende dafür herzugeben, wenn ich dafür tatsächlich mehr aus dem Himmel hätte rausholen können. Ihr werdet mit dem Filter nicht mehr Sterne sehen als ohne (wieso auch?), aber ggf. könnt ihr damit einzelne Farben etwas besser rausholen, da der Gelbstich des Kunstlichts reduziert wird. Bestätigen konnte ich das allerdings in keinem meiner Tests! Vielleicht ist der Filter für Deep Sky Fotografen interessanter, aber in diesem Bereich bin ich selbst nicht zuhause und kann aus diesem Grund leider nicht mehr dazu sagen.

Aus eigenen und fremden Fehlern lernen

Aus eigenen und fremden Fehlern lernen

„Kritisiert meine Bilder, denn nur so kann ich mich verbessern!“: Diesen Satz lese ich immer wieder in Gruppen und oft auch auf der Facebookseite verschiedener Fotografen. Wer sich ausschliesslich als Hobbyfotograf vermarktet, und seine Seite vielleicht gar mit „XY Hobbyfotografie“ bezeichnet, der kann sowas natürlich machen. Wer sich jedoch als Experte präsentieren möchte und auch Kunden mit seiner Seite ansprechen möchte, tut gut daran, das zu unterlassen. Soviel bloss am Rande – worauf ich aber hinauswill: Wieso soll man denn nur aus der Kritik an den eigenen Bildern lernen können? Das wichtigste ist meines Erachtens nicht fremde Kritik, sondern Selbstkritik. Schaut euch eure Bilder genau an – gerade eine sorgfältige Nachbearbeitung eignet sich dazu super. Eine andere Möglichkeit, weiterzukommen, ist es, aus fremden Fehlern zu lernen. Wenn ich hundertmal mitkriege, wie ein Bild zerfetzt wird, weil es unscharf, überladen und schief ist, brauche ich diesen Fehler nicht selbst zu wiederholen – lasst ruhig mal die andern auf die Schnauze fallen, wenn ihr wisst, was ich meine.

Facebook Gruppen

Gerade in Facebook Gruppen wird mit Kritik nur so um sich geworfen. Selbst frage ich nur schon deswegen nie nach Kritik in solchen, weil diese in neunzig Prozent der Fälle unter der Gürtellinie liegt. Zwar seid ihr in geschlossenen Gruppen vor euren Kunden unsichtbar, weshalb so manche Diskussionen möglich sind, welche nicht unbedingt öffentlich geführt werden müssen. Andererseits wimmelt es in den besagten Gruppen von Leuten, die sich daran aufgeilen, Anfänger runter zu machen und ihnen gleich anraten, die Kamera wieder zu verkaufen, wenn mal was schief gegangen ist. Wenn ihr genügend Geduld habt und solche Leute ignorieren (oder von Fall zu Fall besser gleich blocken) könnt, dann ist es dennoch eine Möglichkeit an Kritik zu kommen.

Andererseits könnt ihr ja auch selbst mal die Augen offen halten: Was kommt gut an und was wird in der Luft zerrissen. Auch wenn sich manche Leute asozial verhalten, sind es selten die Topshots, die zerrissen werden. Versucht kritisierte Bilder selbst zu analysieren und zu erkennen, was schief gelaufen ist. Wenn der Fotograf selbst nach Kritik fragt, freut er sich unter Umständen gar über eure konstruktive Einschätzung! Sollte nicht explizit nach Kritik gefragt sein, unterlasse ich diese in aller Regel auch – bloss selten gebe ich einen gut gemeinten Rat und auch nur dann, wenn ich überzeugt bin, dass der Betroffene diesen positiv aufnimmt.

Portfolio Reviews

Was mich persönlich als Fotograf sehr viel weiter gebracht hat, waren sogenannte Portfolio Reviews. Auf Youtube haben schon manche Fotografen dazu aufgerufen, ihnen Bilder zur öffentlichen Kritik in ihren Videos zu schicken. Dabei könnt ihr einerseits viel über gute und schlechte Bilder aus der Sicht von Topfotografen lernen und andererseits auch darüber, wie man Kritik richtig übt (bestimmt liest auch der eine oder andere mit, der das besonders nötig hat.).

Empfehlen kann ich euch insbesondere die Reviews von Calvin Hollywood und Stephan Wiesner. Beide legen Wert darauf, ehrlich und hart zu kritisieren und nicht bloss Lob für die Einsendungen übrig zu haben, wie einige andere Fotografen. Achtet euch darauf, welche Fehler immer wieder auftauchen und welche Verbesserungsvorschläge genannt werden – ich persönlich habe dadurch riesige Fortschritte gemacht – selbst in der Portraitfotografie, mit der ich damals noch gar nichts zu tun hatte.

Kennt ihr weitere gute Portfolio Reviews? Wie verbessert ihr euch? Schreibt es in die Kommentare! Ein schönes Wochenende euch allen! 🙂