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Kategorie: Portrait

5 Fotografen, denen ihr unbedingt folgen solltet

5 Fotografen, denen ihr unbedingt folgen solltet

Wer mich schon länger kennt, weiss, dass ich mir die Fotografie mehrheitlich autodidaktisch angeeignet habe. Doch was heisst das konkret? Habe ich alles ausprobiert und mir dieses Wissen aus dem nichts erarbeitet? Natürlich nicht! Ich habe unzählige Stunden investiert um alle möglichen Tutorials, Blogbeiträge, Youtube Videos, etc. zu konsumieren und habe dieses theoretische Wissen dann in der Praxis eingesetzt, bis es geklappt hat. Ich möchte euch im Folgenden eine Auswahl von Fotografen präsentieren, die mich auf diesem Weg massiv vorwärts gebracht haben und deren Material ich auch heute noch dann und wann konsumiere.

1. Benjamin Jaworskyj

„Benjamin Jaworskyj – der Jamie Oliver der Fotografie“: Irgendwo habe ich diese Bezeichnung mal aufgeschnappt und ja, das hat was. Ben’s Videos waren für mich die erste Anlaufstelle auf dem Weg zum Fotografen – er vermittelt die Basics der Fotografie von A bis Z auf eine unglaublich lockere Art und Weise. Dadurch ist neben dem Lerneffekt auch Unterhaltung garantiert. Ben schafft es, die anfangs so komplex scheinenden Sachverhalte so einfach auf den Punkt zu bringen, dass ich glaube, selbst ein Affe könnte mit seinen Videos fotografieren lernen, wenn er denn der deutschen Sprache mächtig wäre… 😉

2. Calvin Hollywood

Calvin Hollywood gehört sicherlich ebenfalls zu den bekanntesten Fotografen im deutschsprachigen Raum – jedenfalls was die sozialen Medien angeht. Ich empfehle seine Videos jedem, der sich intensiv mit Photoshop auseinandersetzen möchte. Viele Techniken, insbesondere was die Beauty Retusche angeht, habe ich mir dank seinen Videos angeeignet. Heute verfolge ich seine Videos und insbesondere auch seinen Podcast – innerhalb der letzten zwei Jahre hat er sich vom Photoshop Trainer verstärkt in die Business Richtung entwickelt und liefert auch in dem Bereich unglaublich wertvolle Informationen, die ihr euch nicht entgehen lassen solltet.

3. Michael Woloszynowicz

Während Calvin Hollywood tolle Arbeit leistet, was das Vermitteln der Beauty Retusche angeht, ist Michael Woloszynowicz (aka vibrantshot photography) für all diejenigen zu empfehlen, bei denen es noch weiter ins Detail gehen soll. Er zeichnet sich durch eine sehr sorgfältige Arbeitsweise aus und vermittelt im Bereich Retusche auch viel Wissen für Fortgeschrittene – von Farbangleichungen bis zur Frequenztrennung. Wer kein Problem mit der englischen Sprache hat, sollte sich seine Videos und Tutorials unbedingt mal anschauen. Auch wer sich für die Lightroom Alternative Capture One interessiert, sollte sich diesen Namen merken.

4. Serge Ramelli

Serge Ramelli ist ein französischer Fotograf, der seine Videos und Tutorials allerdings ebenfalls auf Englisch produziert. Gerade für Landschaftsfotografen dürften seine Videos interessant sein. Er arbeitet hauptsächlich mit Lightroom und ist in der Lage alleine mit dem RAW Converter unglaublich tolle Resultate zu erzielen. Natürlich ist sein Stil Geschmacksache – seine Bilder haben einen extrem gesättigten, plastischen HDR Look. Oftmals halte ich mir selbst den Kopf, wenn er in Lightroom an den Reglern dreht und ich mir denke „Die Hälfte hätte es auch getan!“. Nichts desto trotz konnte ich von ihm extrem viel über Lightroom lernen – genug um ein Bild aufwändig bearbeiten zu können, ohne auch nur daran zu denken, Photoshop zu öffnen (was ich natürlich trotzdem tue).

5. Elia Locardi

Elia Locardi verfolge ich bei weitem nicht so aktiv, wie die vorhin genannten Fotografen. Sein Lehrvideo „Photographing the World“ möchte ich trotzdem jedem angehenden Landschaftsfotografen ans Herz legen. In mehreren Lektionen führt er den Zuschauer an die schönsten Plätze Islands und Neuseelands und vermittelt nahezu alles, was man über die Landschaftsfotografie wissen muss – von der Komposition bis hin zur Bearbeitung mit Lightroom, Photoshop, Color Efex Pro und Capture One.
 
Welche Fotografen habe ich vergessen? Wer gehört unbedingt auf diese Liste? Postet eure Vorschläge in die Kommentare – hier oder auf Facebook! Ein schönes Wochenende euch allen! 🙂

Den Blick des Betrachters führen

Den Blick des Betrachters führen

Bei jedem Bild solltet ihr euch fragen: Was will ich zeigen? Was soll das Bild aussagen? Was ist eigentlich das Hauptmotiv – der Knochen – und was ist bloss das Fleisch drum herum? Im heutigen Beitrag geht es um die Frage, die darauffolgt: Wisst bloss ihr, was das Hauptmotiv ist, oder weiss es auch der Betrachter? Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte, aber das gilt auch nur dann, wenn ihr eure Bilder sprechen lassen könnt. Wie wir nun den Blick des Betrachters auf das wesentliche lenken können, möchte ich euch ein wenig genauer vermitteln.

 

Störende Bildelemente vermeiden

 

Wenn wir mit unserem Blick über ein Bild wandern, bleiben wir an manchen Stellen hängen, während wir andere schlicht und einfach überfliegen. Wenn wir also unsere Bilder erstellen, wollen wir, dass der Betrachter genau da hängen bleibt, wo er hängen bleiben soll. Stellt euch ein Portrait vor: Schön ausgeleuchtet, ein tolles Model mit tollem Ausdruck in einer stimmungsvollen Szene – das einzige was nicht passt: Das Model hat einen gigantischen, entzündeten Pickel auf der Stirn. Wo würde euer Blick wohl hängen bleiben? Bei den Augen, der Mimik, der Pose oder dem tollen Kleid? Wohl kaum: Wahrscheinlich würden die meisten wie gebannt den Pickel anstarren. In diesem Fall liefert uns Photoshop natürlich ganz einfache Hilfsmittel um das Problem zu beheben, aber ich denke, das Beispiel ist einleuchtend.

Versucht also störende Bildelemente konsequent zu vermeiden. Angeschnittene, unkenntliche Schilder, Äste oder andere Gegenstände an den Bildrändern, unruhige Hintergründe oder Sensorflecken stören ebenso wie Halos und chromatische Aberration um Bäume oder Berge. Flecken auf T-Shirts gehören raus gewaschen oder zumindest retuschiert und künstliche Bilderrahmen gehen in 99% aller Fälle sowieso gar nicht. Kurz: Setzt alles daran, dass euer Motiv der Blickfänger eures Bilds ist und nicht ein störender Fehler.

 

Komposition

 

Nutzt die Möglichkeiten der Komposition um euer Motiv gezielt hervorzuheben. Leading Lines sind eine Möglichkeit um den Blick des Betrachters zu führen. Ausserdem könnt ihr gezielt mit Perspektiven, Distanzen und Brennweiten arbeiten: Wenn ihr ein extrem Weitwinkliges Objektiv verwendet, gewinnt der Vordergrund massiv an Gewicht, während Objekte im Hintergrund verschwindend klein abgebildet werden. Spielt mit Distanzen zwischen einzelnen Bildelementen (Etwa: Zusammen, was zusammengehört) oder zwischen dem Motiv und eurer Kamera. Bestimmt kennt ihr den Spruch: «Wenn dein Bild nicht gut ist, bist du nicht nahe genug». Das dürfte ein weiterer Anhaltspunkt für eure Bilder sein.

 

Helligkeit, Farbe und Schärfe

 

Weiter solltet ihr euch darauf achten, dass sich euer Motiv durch weitere Aspekte vom Rest des Bildes abgrenzt. Dabei gilt die Devise: Der Betrachter bleibt an hellen, gesättigten, scharfen und kontrastreichen Elementen hängen. Ein erster Schritt ist es also, die Helligkeitsinformationen eures Bildes zu analysieren. Betrachtet es dazu beispielsweise mal in schwarzweiss (z.B. in Lightroom über den Shortcut «V»). Wandert euer Blick sofort zum Hauptmotiv oder irrt er ziellos umher? Es kann sinnvoll sein, mit einer Vignettierung zu arbeiten – das heisst, unwichtige Bildinformationen an den Rändern werden abgedunkelt und euer Motiv ggf. aufgehellt. Unter anderem aus diesem Grund, solltet ihr auf kitschige, weisse Vignetten verzichten. Die sehen nicht bloss amateurhaft aus, sondern ziehen die Aufmerksamkeit des Betrachters vom Motiv auf die Vignettierung. Dasselbe gilt für die Sättigung: Ist euer Motiv ungesättigt und in einer knallig bunten Umgebung, wird es dem Betrachter kaum ins Auge springen – eine leuchtend gelbe Blume in einer kargen Landschaft hingegen schon. Dass ihr euer Motiv über Schärfe und Unschärfe hervorheben könnt, gehört wohl zu den grundlegendsten Lektionen der Fotografie. Fotografiert ihr etwa besonders offenblendig, verschwindet der unruhige Hintergrund in einer zarten Unschärfe, während das eigentliche Motiv umso schärfer in den Vordergrund tritt.

Ich hoffe, ich konnte euch ein paar Anhaltspunkte liefern, um den Blick des Betrachters in Zukunft besser lenken zu können. Schreib eure Meinung, Fragen und Anmerkungen in die Kommentare und postet gerne eure Beispiele an meine Facebook Pinnwand. In diesem Sinne wünsche ich euch viel Erfolg bei der Umsetzung!

Härchen einfach entfernen

Härchen einfach entfernen

Heute habe ich kein umfangreiches Tutorial für euch, aber einen Photoshop Quicktipp, der euren Workflow massiv beschleunigen könnte. Und zwar geht es um kleine Härchen. Das können Stoppeln sein, wenn die letzte Rasur etwas lange zurückliegt oder auch Haare und Fussel auf Kleidung. Das ist natürlich nicht besonders schön, weshalb wir diese gerne entfernen möchten. Intuitiv greift man nun wohl als erstes zum Kopierstempel oder zum Reparaturwerkzeug und fängt an, die Härchen einzeln herauszuretuschieren. Damit kommt man sicherlich zum Ziel, doch gerade bei Kleidern ist diese Technik mit sehr viel Arbeit verbunden – nicht zuletzt, weil oftmals sehr sorgfältig gearbeitet werden muss, um die Struktur der Textilien nicht zu zerstören. Was könnte man also tun, um diesen Prozess deutlich zu beschleunigen? Ganz einfach: Wir verwenden einen Filter – „Staub und Kratzer“ um genau zu sein.

 

Vorgehensweise in Adobe Photoshop

 

Photoshop lernen: Staub & Kratzer
Die Härchen auf der Wange sollen entfernt werden.

 

Wir markieren also erstmals die Problemzone mit dem Lassowerkzeug. Meist empfiehlt sich eine weiche Kante von etwa 10px, wobei ich in diesem Falle gänzlich darauf verzichtet habe (was zeigt, wie sauber mit dieser Technik gearbeitet werden kann!). Das Bild stammt aus dem Beauty Shooting mit Linda – mit dabei war auch Roberto, ein Friseur. Nun waren wir in unserer Routine etwas zu unsorgfältig: Nachdem die Frisur etwas nachgeschnitten wurde, blieben einige abgeschnittene Härchen auf der Haut zurück. Kein Grund zur Sorge: Wir markieren die Haut wie gesagt relativ grosszügig um alle Problemstellen.

 

Photoshop lernen: Staub & Kratzer
Filter -> Rauschfilter -> Staub und Kratzer…

 

Nun nutzen wir die Funktion Filter –> Rauschfilter –> Staub und Kratzer… Solltet ihr den Filter zum ersten Mal verwenden, dürfte die Vorschau noch nicht besonders vielversprechend aussehen. Es gilt nun, mit den Werten zu experimentieren. Zentral ist dabei der sogenannte Schwellenwert. Der Filter erkennt, wie der Name schon sagt, Staub und Kratzer im Bild. Der Algorithmus greift auch bei Haaren – den wie ein Kratzer stellen diese einen kontrastreichen, strichförmigen Helligkeitsunterschied dar. Der Schwellenwert bestimmt, wie ausgeprägt dieser Unterschied sein muss, um vom Filter erfasst zu werden. Wählen wir einen sehr tiefen Wert, so stellen wir fest, dass die Haut weichgezeichnet wird: Selbst die Poren werden von Photoshop als Staub oder Kratzer interpretiert und entfernt. Das wollen wir allerdings nicht bzw. wenn, dann wollen wir eine Weichzeichnung der Haut mit anderen Mitteln erzielen. Entsprechend wählen wir einen Wert zwischen 10 und 20 Stufen – die untenstehenden Werte sind eine gute Ausgangslage.

 

Photoshop lernen: Staub & Kratzer
Radius 11 und Schwellenwert 16 sind eine gute Ausgangslage

 

Wir sehen bereits in der Vorschau: Unsere Vorgehensweise war ein voller Erfolg! Die Härchen sind mit wenigen Klicks spurlos verschwunden. In extremen Fällen können kleine Ungleichheiten bestehen bleiben, was sich jedoch sehr schnell mit den klassischen Retuschewerkzeugen korrigieren lässt – Photoshop sei Dank! Hier seht ihr das Ergebnis nach Anwendung des Filters:

 

Photoshop lernen: Staub & Kratzer
Die Härchen sind verschwunden!

 

Wie bereits erwähnt funktioniert diese Technik oftmals wunderbar bei der Bereinigung von Kleidern. Auch Hautschuppen an etwas trockenen Stellen können gleich mitmarkiert werden: Auch hier leistet der Filter oft gute Arbeit. In diesem Sinne hoffe ich, dass ich euch weiterhelfen konnte. In meinem Workflow kommt diese Vorgehensweise immer häufiger zur Anwendung, denn sie bringt eine enorme Zeitersparnis mit sich!

Viel Spass beim ausprobieren! Wenn ihr diese Technik noch nicht kanntet und etwas dazugelernt habt, lasst es mich wissen – ich freue mich über euer Feedback!

Jean Jansen: Lehmserie (Gastbeitrag)

Jean Jansen: Lehmserie (Gastbeitrag)

Angefangen habe ich mit meiner Lehmserie Anfang 2015, nachdem ich durch ein Video eines anderen Fotografen inspiriert wurde. Nach anfänglichen Problemen mit der Konsistenz  der Masse und den verschiedenen Wegen, diese dann auch zu trocknen, glaube ich mittlerweile, dass ich einen Weg  gefunden habe, um einen Menschen in Lehm zu hüllen, ohne ihn zu sehr zu strapazieren und dennoch ein super Ergebnis hinzubekommen.

 

Lehm
 

Hintergrund und Ziel

 

Ich habe mir das Ziel gesetzt, 50 verschiedene Personen zu portraitieren, um euch so zu zeigen, wie ausdrucksstarke Portraits mit minimalistischer Mimik zu vereinbaren sind.

Die Kernaussage hinter meinem Projekt lautet: Wir sind alle gleich und wir sehen uns mit dieser Schicht aus Lehm ganz anders, da sich unser Fokus durch die Akzentuierung der Strukturen im Gesicht komplett verschiebt.

 

Foto2.2
 

Wir sind alle gleich: Das bedeutet für mich, dass egal welcher Herkunft, Religion oder Sexualität jemand angehört, kein Mensch als besser oder schlechter ansehen werden kann als ein anderer.

Ich wünschte, wir wären frei von Stigmatisierung und Hemmschwellen, wenn es um den Kontakt zu anderen geht und wir aufgeschlossen durch die Welt gehen.

 

Umsetzung

 

Ich bekomme viel positives Feedback für meine Arbeiten und werde oft gefragt, wie der Aufbau der Location umgesetzt werden kann und wie man das Einmatschen der Personen am besten angeht. Das ist eigentlich ganz einfach und ich möchte euch einmal den Ablauf schildern. Ihr braucht dazu folgende Mittel:

  • Lehmpulver
  • Malerfolie 20m²
  • Ein Lackpinsel
  • Ein feinerer Pinsel
  • Ein Dauerlicht mit Schirm oder Softbox

Ich würde euch empfehlen, die Malerfolie komplett auszubreiten und dann auch die Lichtquelle auf ihr zu positionieren. Setzt nun euer Model in die Mitte auf einen kleinen Stuhl und fangt mit den Schultern an. Lasst das Gesicht erst einmal aus, denn der Lehm fühlt sich echt merkwürdig an und die Person soll sich erst einmal die Trocknung gewöhnen. Nachdem jetzt Schultern und Haare bearbeitet sind, könnt ihr mit dem Gesicht anfangen und danach mit der Trocknung. Ihr werdet schnell hören, dass die Mimik sehr stark eingegrenzt wird und dass es sich eventuell unangenehm anfühlt.  Je nach Dicke der Schicht, kann die Trocknung zwischen 20-30 Minuten dauern, wenn man nicht mit einem Fön arbeitet. Falls ihr das macht, achtet bitte darauf, dass ihr nicht zu nah ans Gesicht kommt, da es dem Model schnell zu heiß werden kann, was auch der Laune schadet. Stellt euch das Model nach der Trocknung mal in die Mitte und wandert mit der Lichtquelle um sie herum. Ihr werdet sehen, dass durch die verschiedenen Positionen, ganz unterschiedliche Looks entstehen. Nun geht’s an die Fotografie. Ich wünsche euch viel Spaß!

Das Lehmpulver habe ich übrigens bei Amazon im 5 Kg Sack bestellen können – diese Menge reicht für sehr viele Shootings vollkommen aus.

 

Über mich

 

Ich heiße Jean Jansen und komme aus der Nähe von Aachen. Angefangen mit der Fotografie habe ich 2011.

Bilder sind mir wichtig. So wichtig, dass ich fast sagen würde, dass ich eher auf andere Sachen verzichten könnte als auf Bilder. Egal, ob ich sie gemacht habe oder ein anderer Fotograf Bilder von mir gemacht hat. Bilder sind Zeitzeugen, die uns später hoffentlich helfen, uns an Ereignisse zu erinnern oder uns davor bewahren Fehltritte zu wiederholen.

 

Foto1
 

Ich wünsche mir, dass ich mit 70 meinen Enkelkindern Bilder zeigen kann und diese dann mit Staunen fragen, ob ich das bin. Bilder halten meine Entwicklung fest. Vor und hinter der Kamera. Danke dir Severin, dass  ich mich auf deinem Blog verewigen konnte.

 

http://jeanjansen.wix.com/jnsn

https://www.facebook.com/jnsnfoto/

https://www.instagram.com/monsieur_jansen/

 

 

 

Was bedeutet TfP (nicht)?

Was bedeutet TfP (nicht)?

TfP – Time for Prints: Nahezu jeder Fotograf hat diesen Begriff mehr als einmal in seinem Leben gehört und das nicht immer in einem positiven Kontext. Das TfP Prinzip ist eine Alternative zum Shooting gegen Bezahlung (sei es nun das Model oder der Fotograf der bezahlt). Alle Beteiligten investieren Zeit und Arbeit in das Shooting und erhalten anstelle eines Honorars schlicht und einfach die Abzüge der finalen Bilder – wobei heutzutage die digitale Form wohl verbreiteter sein dürfte und die Bezeichnung Time for Pictures wohl angebrachter wäre. Anstatt direkt auf den Sinn des TfP Shootings einzugehen, möchte ich ein paar Worte darüber loswerden, was TfP nicht bedeutet, denn daraus erschliesst sich ein grosser Teil der Idee von selbst.
Studiofotografie Linda

 

„Toll, ein kostenloses Shooting!“

 

Gerade in der Weihnachtszeit wird der Posteingang so mancher Fotografen regelrecht mit TfP Anfragen überflutet: „Hi, mein Freund und ich suchen einen Fotografen für ein Pärchenshooting. Gerne auf TfP Basis!“. Leider muss ich euch enttäuschen, denn TfP ist kein Zauberwort um kostenlos an ein tolles Shooting zu kommen. Wenn ihr keine Erfahrung vor der Kamera habt, könnt ihr nicht damit rechnen, dass ein Fotograf seine Zeit für ein TfP Projekt aufwendet. Schlicht und einfach deshalb, weil eben nicht bloss aus Spass geshootet wird, sondern auch um künstlerisch weiter zu kommen und das Portfolio aufzuwerten. Das Model ist dabei ebenso entscheidend, wie der Fotograf. Grundsätzlich sollten sich die Portfolios aller Beteiligten auf einem vergleichbaren Niveau befinden. Bestimmt findet sich ein Fotograf, der sich für ein TfP Pärchenshooting gewinnen lässt: Ein absoluter Neueinsteiger ohne Portfolio. Die Bilder werden dementsprechend ausfallen. Mein Tipp: Sucht euch einen guten Fotografen in eurer Umgebung und bezahlt für euer Shooting einen angemessenen Preis – dann geht ihr auch mit guten Bildern nachhause.

 

„Toll! Kostenloses Make Up und Topmodels ohne Gage!“

 

Das Gegenbeispiel zum ersten Fall: Ein Fotograf sieht in einem TfP Projekt die Chance, ein professionelles Shooting nach seinen eigenen Vorstellungen umzusetzen. Models und Visas sind bloss Werkzeuge um sich ein tolles Portfolio aufzubauen. Nun, so funktioniert es auch nicht. Nicht nur der Fotograf, sondern auch alle anderen Beteiligten investieren Zeit und Arbeit in das Shooting und sollten als gleichwertige Partner betrachtet werden. Schliesslich wollen auch sie sich künstlerisch weiterentwickeln und ihre Ideen ins Shooting miteinbringen. Wer ein Team möchte, das die eigenen Vorstellungen ohne Wenn und Aber umsetzt, so sollte man dieses auch entsprechend bezahlen. Im Idealfall bringen sich alle Beteiligten kreativ in ein TfP Projekt ein und niemand geht mit dem Gefühl nachhause, kostenlos eine Dienstleistung erbracht zu haben, ohne seine eigenen Ideen umsetzen zu können.
Studiofotografie Melanie

 

„Toll! Eine ganz unverbindliche Sache“

 

Viele nehmen TfP Shootings auf die lockere Schulter: Kein Geld, kein Druck! Das ist schön und gut, denn TfP Projekte sind eine tolle Möglichkeit, neues zu versuchen und daran auch scheitern zu können. In diesem Sinne ist der fehlende Druck eine tolle Sache. Wenn nun aber die beste Freundin anruft oder sich ein Kumpel auf ein Bierchen treffen möchte, so stellen manche das vereinbarte Shooting hinten an. Ist ja schliesslich kein bezahlter Auftrag, also ist das auch nicht weiter schlimm. Falsch! Alle Beteiligten haben ihre Arbeit in dieses Projekt gesteckt und das ebenfalls ohne jegliche Vergütung. Konzepte und Ideen wurden erarbeitet, die Zeit wurde freigehalten und evt. wurden gar Investitionen getätigt (Raum- oder Equipmentmiete, Requisiten, Make Up, und so weiter). Nicht nur aus diesen Gründen, sondern ganz allgemein ist es respektlos einen TfP Termin kurzfristig aus fadenscheinigen Gründen abzusagen oder gar ohne Abmeldung nicht zu erscheinen. Fast jedes Model stand schon kurzfristig ohne den Fotografen da und umgekehrt und nur zu oft warteten beide vergeblich auf die Visagistin. Das geht so weit, das manche Leute die Fotografie als ihr Hobby an den Nagel gehängt haben oder sich anderen Genres zuwendeten. Sowas ist einfach nur traurig und eigentlich vermeidbar: Nehmt TfP Projekte Ernst und haltet euch an Vereinbarungen. Natürlich kann es zu unvorhersehbaren Situationen kommen, die ein Projekt kurzfristig unmöglich machen – etwa ein Unfall oder andere tragische Ereignisse. Sprecht mit den Beteiligten, denn wer etwas auf sich hält, zeigt in solch einem Fall Verständnis.

 

Warum TfP dennoch eine tolle Sache ist

 

Die vielen Negativbeispiele haben vielleicht so manchen abgeschreckt. Dennoch spreche ich mich klar für TfP Shootings aus. Für Einsteiger bieten sie eine tolle Möglichkeit, sich Kenntnisse in der Lichtführung, Retusche, Posing etc. anzueignen. Aber auch erfahrene und erfolgreiche Models und Fotografen können von TfP Projekten profitieren. Das eigene Portfolio kann durch freie Arbeiten erweitert werden, neues kann ausprobiert werden und nicht zuletzt ist es einfach nur toll, mit anderen Menschen kreativ zu arbeiten. Alle bringen ihre Ideen und Talente in ein Shooting mit ein und freuen sich über die tollen Resultate, die auf diesem Weg entstehen können. In diesem Sinne: Überlegt euch gut, ob ihr TfP Shootings pauschal ablehnen möchtet. Sinnvoller ist es meiner Meinung nach, regelmässig mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten, die sich auf einem ähnlichen Niveau befindet. Denn wenn ihr als Künstler eins akzeptieren müsst, dann ist es die Tatsache, das ihr noch nicht am Ende angelangt seid und euch stets weiterentwickeln könnt. TfP Projekte werden euch dabei helfen.
Outdoor Shooting Felicia
Übrigens: Solltet ihr Interesse an einem TfP Shooting mit mir haben, so freue ich mich selbstverständlich über eure Bewerbung!