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Monat: April 2016

Eigene Homepage als Fotograf

Eigene Homepage als Fotograf

Wer diese Woche meinen Blog besucht hat, wird bemerkt haben, dass ich ihn mit einem neuen Design bestückt habe. Neben dieser Homepage betreibe ich zwei weitere Webseiten, die sich jedoch um meine fotografischen Dienstleistungen drehen. Ich wollte das neue Design zum Anlass nehmen, euch ein paar Punkte auf dem Weg zur eigenen Webseite mit zu geben. Vorweg: Ich bin kein Webdesigner und meine Kenntnisse tendieren gegen null. Ich bin definitiv nicht in der Lage, eine Webseite selbständig zu gestalten, geschweige denn zu programmieren. Dennoch glaube ich, meine Seiten können sich sehen lassen – auch ohne einen Webdesigner mit mehreren tausend Franken zu bezahlen. Ich möchte euch gerne aus der Sicht eines Laien vermitteln, wie ihr ebenfalls als Laie zu einem vergleichbaren Ergebnis kommen könnt. Natürlich ist da auch viel Halbwissen dabei und ich möchte auf keinen Fall eine Garantie geben, was diese Infos angeht. Das soll übrigens keine Schritt für Schritt Anleitung sein: Zu allen Punkten, die ich anspreche, gibt es kostenlose Informationen und Tutorials im Internet. Vielmehr möchte ich euch motivieren, dieses Projekt endlich anzugehen und euch zeigen, dass ihr die Sache im Zweifelsfall auch einfach selbst in die Hand nehmen könnt, wenn euch das Geld für einen Webdesigner fehlt.

Die eigene Webseite: Eure Visitenkarte im Netz

Homepage für Fotografen
Eure Webseite ist eure Visitenkarte im Internet. Im Gegensatz zu Facebook, Twitter, Instagram usw. bestimmt ihr selbst, was zu sehen ist. Ihr definiert, wie gross eure Bilder sein dürfen und in welcher Qualität und Grösse ihr sie zur Verfügung stellt. Ihr bestimmt selbst, was in Ordnung ist und was nicht auf eure Homepage passt. Hier habt ihr die Möglichkeit, euch als Fotograf frei zu präsentieren. Dennoch wollt ihr natürlich als professioneller Fotograf auch professionell wirken. Wenn ihr plant, Aufträge über eure Homepage zu generieren, solltet ihr für den einen oder anderen Punkt ein paar Scheine investieren (es ist günstig, versprochen!).

Ich empfehle euch auf jeden Fall einen professionellen, kostenpflichtigen Webhoster. Es gibt zwar kostenlose Hoster – diese sind allerdings gähnend langsam und ballern eure Homepage mit Werbung zu. Mal ehrlich: Wer will seinen Kunden lange Ladezeiten und nervtötende Pop Ups zumuten? Was würdet ihr von solch einem Dienstleister denken, wenn ihr die Sichtweise eines potentiellen Kunden einnehmt? Also! Ein eigener Webhoster muss her – in meinem Fall nutze ich den schweizer Webhoster Cyon und hoste alle drei Homepages über das günstigste Paket.

Weiter solltet ihr euch eine eigene Domain reservieren. Für meine .ch Domains bezahle ich jeweils um die 15.- Franken pro Jahr – Peanuts wenn ihr dafür eine professionelle Aussenwirkung erzielen wollt. Würdet ihr einen Handwerker über die Webseite hansmuster.irgendeingratisanbieter.de beauftragen? Ich nicht.

Wie erstelle ich meine Webseite?

Klassische, statische Webseiten, lassen sich mit HTML programmieren – etwa im Windows Texteditor. Nur sehen die Resultate nicht besonders ansprechend aus (sofern ihr nicht mehr Ahnung davon habt, als ich) und statische Webseiten bringen so manche Nachteile mit sich. Wenn ihr beispielsweise nach einem Jahr eure Homepage um einen Blog ergänzen möchtet, müsst ihr diesen Punkt auf jeder Einzelseite eurer Webseite über den HTML Code einfügen. Glücklicherweise gibt es heutzutage einfachere und erst noch bessere Möglichkeiten. Meine persönliche Wahl: WordPress.

Installieren lässt sich WordPress denkbar einfach: Beachtet bei der Wahl eures Webhosters einfach, dass dieses unterstütz ist und im einfachsten Fall direkt über den Host installiert werden kann. In meinem Fall habe ich mich also eingeloggt und im entsprechenden Menü WordPress mit einem einfachen Klick installiert. Der darauf folgende Dialog ist auch für unerfahrene Nutzer relativ selbsterklärend. Füllt alles aus, bestätigt es. Gratuliere, ihr habt soeben eure Homepage erstellt. Natürlich sieht das Ganze noch etwas dürftig aus und muss mit einem schönen Design und Inhalten befüllt werden. Ich empfehle euch an diesem Punkt ein passendes Design (oder „Theme“) zu suchen. Über Google findet ihr eine grosse Auswahl an kostenlosen und kostenpflichtigen Designs, u.A. auch gezielt für Fotografen. Ob ihr Geld investieren möchtet, oder ob ihr euch mit einem der (teilweise sehr schönen) kostenlosen Designs entscheidet, müsst ihr mit euch selbst ausmachen. Kostenpflichtige Designs bieten den Vorteil, dass sie regelmässig mit Updates bedient werden (was punkto Sicherheit ein Thema sein kann) und ihr in den Genuss des Supports kommt. Kostenlose Designs wieder sind… Überraschung… Kostenlos!

Meiner Erfahrung nach ist die Suche nach einem passenden Design der nervenaufreibendste Teil auf dem Weg zur eigenen Homepage. Gerade bei kostenlosen Themes müsst ihr manche Nachteile in Kauf nehmen, was die Möglichkeiten zur Individualisierung angeht. Oft müssen mehrere Designs getestet werden, bis ihr ein passendes gefunden habt. Fehlende Funktionen können über PlugIns nachgerüstet werden, wobei ihr hier sicherstellen solltet, dass ihr euch für vertrauenswürdige Anbieter entscheidet (Stichwort: Sicherheit.). Ich empfehle definitiv das WordPress Jetpack zu installieren – es bietet euch tolle Möglichkeiten, was die Galerie angeht, sowie umfangreiche Statistiktools und viele weitere Features. Last but not least: Entscheidet euch unbedingt für ein responsives Design: Rund die Hälfte eurer Besucher sind mit dem Tablet oder dem Smartphone unterwegs – auch sie sollen eine tolle und einfache Nutzererfahrung haben.

Was muss auf die Webseite?

Achtet darauf, die Webseite nicht zu überladen. Definitiv zeigen solltet ihr euer Portfolio. Entscheidet euch für eure besten Bilder. Denkt mal auf diese Weise darüber nach: Wenn eure zwanzig besten Bilder online sind, wertet der nicht so gute Rest das Gesamtpaket doch bloss noch ab. Ausserdem solltet ihr sicher sein, dass ihr das zeigt, wofür ihr gebucht werden wollt. Wen ihr Hochzeiten fotografiert, zeigt Hochzeiten und nicht Makroaufnahmen aus dem nächstgelegenen Wald. Weiter braucht ihr aus gesetzlichen Gründen ein Impressum. Kontaktangaben oder gar ein Kontaktformular sollten vorhanden sein, sowie ein kleines „About Me“. Ob ihr Preise auf eurer Homepage veröffentlicht, ist eure eigene Entscheidung und hängt von eurer Marketingstrategie und Zielgruppe ab. Ein Blog bzw. eine News Sektion kann Sinn machen um Traffic zu generieren – jedoch bloss, wenn regelmässig Beiträge veröffentlicht werden. Liegt der letzte Beitrag zwei Jahre zurück, gehe ich als Besucher davon aus, die Seite sei inaktiv um nicht zu sagen tot. Nicht vergessen: Macht es euren Besuchern so einfach wie möglich, sich auf eurer Homepage zurechtzufinden.
Ich hoffe, ich konnte euch motivieren, das Langzeitprojekt „Eigene Webseite“ endlich in die Hand zu nehmen. Vielleicht müsst ihr, je nach Ansprüchen, mal einen Tag investieren – schnellere Lösungen lassen sich auch in ein paar Stunden umsetzen. Wenn ihr mit WordPress nicht klar kommt (ist bloss Übungssache, eigentlich ist es ganz leicht), greift eben auf die Möglichkeiten von 500px oder Behance zurück – immer noch besser, als keine Webseite zu haben. Ich möchte die Phrase „ist in Arbeit“ nur noch dann hören, wenn die Seite zwei Tage später steht! 😉

Den Blick des Betrachters führen

Den Blick des Betrachters führen

Bei jedem Bild solltet ihr euch fragen: Was will ich zeigen? Was soll das Bild aussagen? Was ist eigentlich das Hauptmotiv – der Knochen – und was ist bloss das Fleisch drum herum? Im heutigen Beitrag geht es um die Frage, die darauffolgt: Wisst bloss ihr, was das Hauptmotiv ist, oder weiss es auch der Betrachter? Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte, aber das gilt auch nur dann, wenn ihr eure Bilder sprechen lassen könnt. Wie wir nun den Blick des Betrachters auf das wesentliche lenken können, möchte ich euch ein wenig genauer vermitteln.

 

Störende Bildelemente vermeiden

 

Wenn wir mit unserem Blick über ein Bild wandern, bleiben wir an manchen Stellen hängen, während wir andere schlicht und einfach überfliegen. Wenn wir also unsere Bilder erstellen, wollen wir, dass der Betrachter genau da hängen bleibt, wo er hängen bleiben soll. Stellt euch ein Portrait vor: Schön ausgeleuchtet, ein tolles Model mit tollem Ausdruck in einer stimmungsvollen Szene – das einzige was nicht passt: Das Model hat einen gigantischen, entzündeten Pickel auf der Stirn. Wo würde euer Blick wohl hängen bleiben? Bei den Augen, der Mimik, der Pose oder dem tollen Kleid? Wohl kaum: Wahrscheinlich würden die meisten wie gebannt den Pickel anstarren. In diesem Fall liefert uns Photoshop natürlich ganz einfache Hilfsmittel um das Problem zu beheben, aber ich denke, das Beispiel ist einleuchtend.

Versucht also störende Bildelemente konsequent zu vermeiden. Angeschnittene, unkenntliche Schilder, Äste oder andere Gegenstände an den Bildrändern, unruhige Hintergründe oder Sensorflecken stören ebenso wie Halos und chromatische Aberration um Bäume oder Berge. Flecken auf T-Shirts gehören raus gewaschen oder zumindest retuschiert und künstliche Bilderrahmen gehen in 99% aller Fälle sowieso gar nicht. Kurz: Setzt alles daran, dass euer Motiv der Blickfänger eures Bilds ist und nicht ein störender Fehler.

 

Komposition

 

Nutzt die Möglichkeiten der Komposition um euer Motiv gezielt hervorzuheben. Leading Lines sind eine Möglichkeit um den Blick des Betrachters zu führen. Ausserdem könnt ihr gezielt mit Perspektiven, Distanzen und Brennweiten arbeiten: Wenn ihr ein extrem Weitwinkliges Objektiv verwendet, gewinnt der Vordergrund massiv an Gewicht, während Objekte im Hintergrund verschwindend klein abgebildet werden. Spielt mit Distanzen zwischen einzelnen Bildelementen (Etwa: Zusammen, was zusammengehört) oder zwischen dem Motiv und eurer Kamera. Bestimmt kennt ihr den Spruch: «Wenn dein Bild nicht gut ist, bist du nicht nahe genug». Das dürfte ein weiterer Anhaltspunkt für eure Bilder sein.

 

Helligkeit, Farbe und Schärfe

 

Weiter solltet ihr euch darauf achten, dass sich euer Motiv durch weitere Aspekte vom Rest des Bildes abgrenzt. Dabei gilt die Devise: Der Betrachter bleibt an hellen, gesättigten, scharfen und kontrastreichen Elementen hängen. Ein erster Schritt ist es also, die Helligkeitsinformationen eures Bildes zu analysieren. Betrachtet es dazu beispielsweise mal in schwarzweiss (z.B. in Lightroom über den Shortcut «V»). Wandert euer Blick sofort zum Hauptmotiv oder irrt er ziellos umher? Es kann sinnvoll sein, mit einer Vignettierung zu arbeiten – das heisst, unwichtige Bildinformationen an den Rändern werden abgedunkelt und euer Motiv ggf. aufgehellt. Unter anderem aus diesem Grund, solltet ihr auf kitschige, weisse Vignetten verzichten. Die sehen nicht bloss amateurhaft aus, sondern ziehen die Aufmerksamkeit des Betrachters vom Motiv auf die Vignettierung. Dasselbe gilt für die Sättigung: Ist euer Motiv ungesättigt und in einer knallig bunten Umgebung, wird es dem Betrachter kaum ins Auge springen – eine leuchtend gelbe Blume in einer kargen Landschaft hingegen schon. Dass ihr euer Motiv über Schärfe und Unschärfe hervorheben könnt, gehört wohl zu den grundlegendsten Lektionen der Fotografie. Fotografiert ihr etwa besonders offenblendig, verschwindet der unruhige Hintergrund in einer zarten Unschärfe, während das eigentliche Motiv umso schärfer in den Vordergrund tritt.

Ich hoffe, ich konnte euch ein paar Anhaltspunkte liefern, um den Blick des Betrachters in Zukunft besser lenken zu können. Schreib eure Meinung, Fragen und Anmerkungen in die Kommentare und postet gerne eure Beispiele an meine Facebook Pinnwand. In diesem Sinne wünsche ich euch viel Erfolg bei der Umsetzung!

Aus eigenen und fremden Fehlern lernen

Aus eigenen und fremden Fehlern lernen

„Kritisiert meine Bilder, denn nur so kann ich mich verbessern!“: Diesen Satz lese ich immer wieder in Gruppen und oft auch auf der Facebookseite verschiedener Fotografen. Wer sich ausschliesslich als Hobbyfotograf vermarktet, und seine Seite vielleicht gar mit „XY Hobbyfotografie“ bezeichnet, der kann sowas natürlich machen. Wer sich jedoch als Experte präsentieren möchte und auch Kunden mit seiner Seite ansprechen möchte, tut gut daran, das zu unterlassen. Soviel bloss am Rande – worauf ich aber hinauswill: Wieso soll man denn nur aus der Kritik an den eigenen Bildern lernen können? Das wichtigste ist meines Erachtens nicht fremde Kritik, sondern Selbstkritik. Schaut euch eure Bilder genau an – gerade eine sorgfältige Nachbearbeitung eignet sich dazu super. Eine andere Möglichkeit, weiterzukommen, ist es, aus fremden Fehlern zu lernen. Wenn ich hundertmal mitkriege, wie ein Bild zerfetzt wird, weil es unscharf, überladen und schief ist, brauche ich diesen Fehler nicht selbst zu wiederholen – lasst ruhig mal die andern auf die Schnauze fallen, wenn ihr wisst, was ich meine.

Facebook Gruppen

Gerade in Facebook Gruppen wird mit Kritik nur so um sich geworfen. Selbst frage ich nur schon deswegen nie nach Kritik in solchen, weil diese in neunzig Prozent der Fälle unter der Gürtellinie liegt. Zwar seid ihr in geschlossenen Gruppen vor euren Kunden unsichtbar, weshalb so manche Diskussionen möglich sind, welche nicht unbedingt öffentlich geführt werden müssen. Andererseits wimmelt es in den besagten Gruppen von Leuten, die sich daran aufgeilen, Anfänger runter zu machen und ihnen gleich anraten, die Kamera wieder zu verkaufen, wenn mal was schief gegangen ist. Wenn ihr genügend Geduld habt und solche Leute ignorieren (oder von Fall zu Fall besser gleich blocken) könnt, dann ist es dennoch eine Möglichkeit an Kritik zu kommen.

Andererseits könnt ihr ja auch selbst mal die Augen offen halten: Was kommt gut an und was wird in der Luft zerrissen. Auch wenn sich manche Leute asozial verhalten, sind es selten die Topshots, die zerrissen werden. Versucht kritisierte Bilder selbst zu analysieren und zu erkennen, was schief gelaufen ist. Wenn der Fotograf selbst nach Kritik fragt, freut er sich unter Umständen gar über eure konstruktive Einschätzung! Sollte nicht explizit nach Kritik gefragt sein, unterlasse ich diese in aller Regel auch – bloss selten gebe ich einen gut gemeinten Rat und auch nur dann, wenn ich überzeugt bin, dass der Betroffene diesen positiv aufnimmt.

Portfolio Reviews

Was mich persönlich als Fotograf sehr viel weiter gebracht hat, waren sogenannte Portfolio Reviews. Auf Youtube haben schon manche Fotografen dazu aufgerufen, ihnen Bilder zur öffentlichen Kritik in ihren Videos zu schicken. Dabei könnt ihr einerseits viel über gute und schlechte Bilder aus der Sicht von Topfotografen lernen und andererseits auch darüber, wie man Kritik richtig übt (bestimmt liest auch der eine oder andere mit, der das besonders nötig hat.).

Empfehlen kann ich euch insbesondere die Reviews von Calvin Hollywood und Stephan Wiesner. Beide legen Wert darauf, ehrlich und hart zu kritisieren und nicht bloss Lob für die Einsendungen übrig zu haben, wie einige andere Fotografen. Achtet euch darauf, welche Fehler immer wieder auftauchen und welche Verbesserungsvorschläge genannt werden – ich persönlich habe dadurch riesige Fortschritte gemacht – selbst in der Portraitfotografie, mit der ich damals noch gar nichts zu tun hatte.

Kennt ihr weitere gute Portfolio Reviews? Wie verbessert ihr euch? Schreibt es in die Kommentare! Ein schönes Wochenende euch allen! 🙂

6 Tipps für einen effizienten Lightroom Workflow

6 Tipps für einen effizienten Lightroom Workflow

 
Nachdem es hier in den letzten Wochen aufgrund des grossen Arbeitsanfalls etwas ruhig zuging, gibt es heute endlich wieder ein paar Tipps für euch! Ich möchte mal einige Worte über meinen Workflow in Adobe Lightroom loswerden und werde demnächst auch einige Tipps zu einem effizienten Photoshop Workflow mit euch teilen. Lange Rede kurzer Sinn: Let’s go.

 

1. Die Miniaturansicht nutzen.

 

Die Bildauswahl findet bei vielen Usern in der Vollansicht statt. Das bietet den Vorteil, dass das jeweils ausgewählte Bild sofort gross ersichtlich ist und relativ schnell auf seine Schärfe hin beurteilt werden kann. Warum sage ich „relativ“? Lightroom ist leider nicht gerade die Performance Maschine aus dem Bilderbuch. In der Regel ist eine kurze Wartezeit notwendig, bis die Bildinformationen geladen und scharf dargestellt werden. Nun werden viele sagen: „Was soll’s? Sind ja bloss 2 oder 3 Sekunden.“
Wenn wir von einer Reportage ausgehen, sagen wir eine Hochzeit, dann haben wir schnell mal mehr als 1000 Bilder zu sortieren. Die 2 bis 3 Sekunden werden somit schnell zu einer guten Stunde, die wir uns auch sparen könnten. Wenn wir die Miniaturansicht nutzen, können wir die Thumbnails relativ gross Darstellen (unten rechts findet sich im Bibliotheksmodul ein Regler) und gleich 3 bis 4 Bilder pro Zeile bewerten. Ein Grossteil der Arbeit kann so erledigt werden, während die Schärfe erst in einem späteren Schritt beurteilt wird.

 

2. Ein sinnvolles Bewertungssystem schaffen.

 

Es ist meiner Meinung nach unglaublich hilfreich, ein sinnvolles und konsistentes Bewertungssystem zu schaffen. Dabei stehen in Lightroom Flaggen (angenommen / abgelehnt), Farben und Sterne zur Verfügung. Mein eigenes System soll hier bloss als eine von vielen Möglichkeiten gezeigt werden:
 

„abgelehnt“ (x) Das Bild ist auf den ersten Blick Ausschuss.
1 Stern (1) Das Bild ist in Ordnung und kann ggf. verwendet werden.
2 Sterne (2) Das Bild wird verwendet bzw. dem Kunden übergeben.
3 Sterne (3) Das Bild gehört zu den besten des Auftrags.
4 Sterne (4) Das Bild gehört ins Portfolio.

 
Die Farben verwende ich unterschiedlich. Mal nutze ich sie, um meine Bilder in Smart Sammlungen zu organisieren und mal bloss um sie im Nachhinein separat zu filtern – z.B. blau für die spätere Bearbeitung in Photoshop.

 

3. Presets nutzen.

 

Schafft euch eine Reihe eigener Presets oder ladet euch entsprechende aus dem Internet runter. Ich persönlich nutze relativ simple Vorgaben, die nicht massiv in’s Bild eingreifen. Das ist allerdings Geschmacksache. Grundsätzlich gilt für mich die Devise, dass Arbeitsschritte, die ich immer und immer wieder ausführe, automatisiert werden sollten. Wenn ihr zum Beispiel immer die chromatische Aberration entfernt (was ich euch raten würde), wieso solltet ihr immer und immer wieder dasselbe Kontrollfeld aktivieren, wenn ihr diesen Arbeitsschritt ebensogut in einem Preset speichern könnt? Ob ihr Import Presets erstellt oder eine Auswahl von Presets während der Bildbearbeitung nutzt ist euch überlassen. Weitere Punkte die sich unter Umständen automatisieren lassen sind die Schärfung, Rauschreduzierung, Objektivkorrekturen, Kontrast und Dynamik/Sättigung. Ich persönlich verzichte darauf mehrheitlich, da ich eigentlich immer unterschiedliche Werte verwende, oder die Regler teils gar nicht anfasse. Auch für den Export lassen sich Presets erstellen – etwa für Facebook, die eigene Homepage oder JPGs in der vollen Auflösung für den Druck.

 

4. Lightroom zur Massenbearbeitung verwenden

 

Bleiben wir beim Beispiel der Hochzeitsreportage. Teilt die Bilder in eurem Kopf (oder tatsächlich in Lightroom mithilfe von Farben, Sternen oder Stapeln) in einzelne Gruppen, die jeweils bestimmte Optimierungen nötig haben. Beispielsweise könnt ihr euch für jeden Raum in dem ihr fotografiert habt für einen konkreten Weissabgleich entscheiden. Habt ihr mit der Belichtungskorrektur gearbeitet und eine Reihe an Bildern unterbelichtet um die Highlights zu schützen? Korrigiert sie alle auf einmal! Verseht ihr eure Bilder mit Vignetten? Legt euch einen Radialfilter mit den ungefähren Einstellungen an und synchronisiert ihn mit allen Aufnahmen. Nun müsst ihr ihn jeweils nur noch positionieren und vielleicht mal eine kleine Anpassung vornehmen. Mit dem Befehl „Vorherige“ unten rechts könnt ihr übrigens sämtliche Einstellungen des zuletzt ausgewählten Bildes auf das aktuelle Bild anwenden.

 

5. Shortcuts nutzen

 

Das hättet ihr euch sicher auch selbst denken können, aber man kann es gar nicht oft genug sagen: Shortcuts machen euch das Leben leichter. Welche Zeitersparnis eine Sekunde pro Bild insgesamt einbringt, habe ich schon am Anfang erläutert und mit Shortcuts spart ihr im Idealfall noch viel mehr Zeit. Einige Beispiele: Mit der Taste „R“ könnt ihr euer Bild drehen und zuschneiden. Mit der Taste „G“ betrachtet ihr alle Bilder in der Miniaturansicht. Wählt zwei Bilder aus und drückt „C“ um sie nebeneinander zu vergleichen. Mit „L“ könnt ihr den Hintergrund und das Interface stufenweise abdunkeln um euch voll auf die Bilder konzentrieren zu können (sinnvoll bei der Bildauswahl zusammen mit dem Kunden). Mit „E“ öffnet ihr das Bild in der vollen Ansicht, mit „F“ kommt ihr den den Fullscreen und mit „Ctrl + E“ (bzw. „Cmnd + E“ bei Mac) öffnet ihr die ausgewählten Bilder direkt in Photoshop. Mit „D“ geht’s in’s Entwickeln Modul und mit „M“ bzw. „Shift + M“ legt ihr einen Verlaufs- bzw. einen Radialfilter an. Das sind bloss einige Beispiele, die ich häufig nutze. Online gibt es tolle Zusammenstellungen und Übersichten wichtiger Shortcuts: Nutzt sie!

 

6. Kenne die Grenzen von Lightroom

 

Lightroom ist eine tolle Software die zur Massenbearbeitung super geeignet ist. Manchmal kann es allerdings Sinn machen, zu Photoshop zu wechseln, denn wie bereits erwähnt ist Lightroom leider nicht die tolle Performance Maschine, die man sich manchmal wünschen würde. Gerade im Bereich der Retusche kann es je nach Anzahl der Bilder effizienter sein, Photoshop zu nutzen – insbesondere, wenn sich die einzelnen Korrekturen nicht ohne weiteres synchronisieren lassen (Kamera oder Motiv bewegt sich). Wenn eine Person etwa auf 20 Bildern einen Pullover voller Hundehaare trägt (gerade im Frühling und Herbst ist es besonders schlimm), so würde ich auf Lightroom verzichten: Das Retuschetool ist träge und oft unpräzise. Gerade mit der schnellen Arbeit mit dem Grafiktablett kann Lightroom zum kriechen gebracht werden. Nutzt dazu eher Photoshop und verwendet beispielsweise meinen Quicktipp zum Thema „Härchen retuschieren“ wenn’s schnell gehen muss!

 

Habt ihr weitere Tipps für einen effizienten Workflow, die ihr gerne teilen würdet? Postet sie in die Kommentare! Wenn euch der Beitrag gefallen hat, lasst es mich wissen und bleibt gespannt: Wo der herkommt, gibt’s noch mehr… 😉