10 Tipps für bessere Landschaftsfotos

10 Tipps für bessere Landschaftsfotos

Auch der heutige Beitrag richtet sich eher an Fotografen in ihren Anfängen. Ich möchte im Rahmen von 10 Tipps eine Hilfestellung bieten und auch auf manche Fehler hinweisen, die man immer wieder antrifft. In diesem Sinne möchte ich gar nicht allzu viele Worte verlieren sondern gleich einsteigen.

1. Einen Vordergrund einbauen

 

Man stelle sich folgende Situation vor: Ein Fotograf ist auf einem Berg, einer Aussichtsplattform oder wo auch immer. Jedenfalls bietet sich ihm ein tolles Panorama und er kann schon beinahe nicht mehr anders, als auf den Auslöser zu drücken. Zuhause lädt er die Bilder auf seinen Rechner und Ernüchterung macht sich breit. Die Aussicht mag noch so imposant gewesen sein – das Bild überzeugt einfach nicht. Woran liegt das?

Ein Foto ist ein zweidimensionales Abbild unserer Welt – es ist flach. Diesen Eindruck können wir verhindern, indem wir uns beim fotografieren ganz klar darauf achten, Tiefe ins Bild zu bringen. Am einfachsten geht das über den Einbau eines Vordergrunds. Nun haben wir mehrere Ebenen im Bild, die der Betrachter in ihrer Distanz unterscheiden kann. Mögliche Motive sind Steinbrocken, ein angeschwemmter grosser Ast am Seeufer und vieles mehr. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt, solange der Vordergrund nur interessant ist. Um das Gefühl von Tiefe und Perspektive zu verstärken kann ein Weitwinkelobjektiv eingesetzt werden.

Landschaftsfotografie lernen: Vordergrund
Ein Vordergrund erzeugt Tiefe

2. Zur richtigen Zeit fotografieren

 

Eine tolle Landschaft macht noch kein tolles Bild. Online finden sich tausende Bilder von Landschaften – aufgenommen während einer Wanderung o.Ä – unter einem strahlend blauen Nachmittagshimmel. Ein solches Wetter mögen wir zwar als traumhaft empfinden, doch das Licht ist schlicht und einfach langweilig. Die Landschaft wirkt flach und die Schatten sind hart – es fehlt dem Bild an Stimmung und Plastizität. Es gibt Wetterlagen und Tageszeiten, die mir als Fotograf deutlich mehr zu bieten haben:

 

  • Sonnenaufgang
  • Goldene Stunde (nach dem Sonnenaufgang)
  • Kurz vor oder noch besser nach einem Gewitter
  • Nebelschwaden in der Landschaft
  • Sonnenuntergang
  • Blaue Stunde (die Zeit zwischen dem Sonnenuntergang und der Nacht)
  • Nacht (Milchstrasse, Mondlicht)

 

Landschaftsfotografie lernen: Zeit und Wetter
Zur rechten Zeit am rechten Ort

 

3. Tiefen sind einfacher zu reparieren als Lichter

 

Gerade in der Landschaftsfotografie ist die richtige Belichtung entscheidend. Dabei mag man als Anfänger geneigt sein, sich auf die Automatik zu verlassen. Davon würde ich abraten, denn der eingebaute Belichtungsmesser einer Kamera mag zwar grundsätzlich gute Arbeit leisten, jedoch ist darauf gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen keinen Verlass. Das führt zu folgender Situation: Die Landschaft ist korrekt belichtet, der Himmel jedoch ist weiss (d.h. völlig überbelichtet). Diese verlorenen Informationen sind selten wiederherzustellen.

Was der Fotograf nun tun kann: Er belichtet das Bild genau solange, bis das Histogramm den rechten Rand gerade noch berührt. Nun kann es sein, dass das Bild etwas überbelichtet ist: Kein Problem, denn es sind sämtliche Informationen vorhanden. Abdunkeln können wir immer noch zuhause am Rechner. Die andere Möglichkeit ist, dass der Himmel zwar korrekt belichtet ist, die Landschaft jedoch zu dunkel erscheint. Dennoch ist dies der ursprünglichen Situation vorzuziehen, denn Informationen in den Tiefen sind meist einfacher wiederherzustellen als diejenigen in den Lichtern.

Landschaftsfotografie lernen: Das Histogramm
Das Histogram zeigt die Helligkeitsverteilung von Links (dunkel) nach Rechts (hell).

 

4. Fotografiere im RAW Format

 

Die Einstellungsmöglichkeit zwischen JPG und RAW, die jede aktuelle Spiegelreflexkamera bietet, wirft bei Anfängern oft Fragen auf. Was ist RAW? Brauche ich das? Ist JPG die bessere Wahl? Gerade wer auf diese Fragen noch keine Antwort hat, entscheidet sich im Zweifel gerne für das altbekannte JPG Format. Um es kurz zu machen: Fotografiere wenn möglich immer im RAW Format! Die Bilder sind auf den ersten Blick zwar flauer, um nicht zu sagen schlechter, jedoch enthalten sie das Maximum an Bildinformationen, die die Kamera hergibt. Es handelt sich um eine Art „digitales Negativ“, dass entwickelt werden will. Ich empfehle dazu eine Software wie Adobe Lightroom oder Capture One. Auf diesem Weg lässt sich deutlich mehr aus den Bildern herausarbeiten, was sie über kurz oder lang auf ein ganz neues Niveau bringt.

 

5. Bildbearbeitung

 

Die Bildbearbeitung an sich macht aus einem langweiligen bestimmt kein interessantes Bild. Dennoch sollte man als Fotograf auf keinen Fall auf die Möglichkeiten aktueller Bildbearbeitungsprogramme verzichten. Einige Gründe dazu ergeben sich aus den Tipps 3 und 4: Der Fotograf hat eine Landschaftsaufnahme im RAW Format erstellt, die einen korrekt belichteten Himmel zeigt, jedoch eine viel zu dunkle Landschaft. Wer in dieser Situation das erste Mal den Regler „Tiefen“ in Lightroom nach oben zieht, staunt nicht schlecht, was sich aus einem Bild noch alles rausholen lässt. Weitere Punkte sind die Objektivkorrektur, Schärfe, Farben, Kontraste, die Retusche von Sensorflecken oder das hinzufügen einer Vignette zur Blickführung. Wer als Anfänger der Bildbearbeitung noch eher kritisch gegenübersteht („Ist das noch Fotografie?“), sollte diese Haltung definitiv überdenken. Mir ist kein Profi bekannt, der auf diese Mittel verzichtet und sie ist prägend für euren Bildstil (auch eine sehr natürliche Bearbeitung ist selbstverständlich möglich).

 

6. Komposition 1: Die Drittel Regel

 

Ein typischer Anfängerfehler ist es, das Hauptmotiv in die Bildmitte zu setzen. In den allermeisten Fällen ist das ziemlich langweilig. Die Drittel Regel ist ein erster Anhaltspunkt um dem entgegen zu wirken:

Man stelle sich vor, das Bild werde horizontal und vertikal in drei gleiche Teile gedrittelt – oftmals lassen sich etwa entsprechende Gitterlinien im Live View einschalten. Nun wird einerseits der Horizont auf der oberen oder der unteren Linie platziert und das Hauptmotiv auf einem der Schnittpunkte der horizontalen und vertikalen Linien platziert:

 

Landschaftsfotografie lernen: Drittel Regel
Das Motiv wirkt durch die Drittel Regel interessanter

Diese Regel muss natürlich nicht stur befolgt werden: Fotografiert man beispielsweise einen Bergsee, der die Landschaft spiegelt, so wirkt der Horizont in der Bildmitte oft hervorragend. Ausserdem kann die Regel abgewandelt werden, in dem man sich z.B. statt dem Bilddrittel für den goldenen Schnitt oder ein Verhältnis von 20 zu 80 entscheidet. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt, wobei man sich die Regeln der Komposition dennoch zu Herzen nehmen sollte:

„Lerne die Regeln damit du sie brechen kannst“ – Picasso

 

7. Komposition 2: Leading Lines

 

Wie wichtig es ist, einen Vordergrund einzubauen, habe ich bereits betont. Besonders schön ist es, wenn der Blick des Betrachters über Linien zum Hauptmotiv gelenkt wird. Dadurch entsteht nochmals deutlich mehr Tiefe und das zentrale Bildelement ist auf den ersten Blick klar zu erkennen.

Landschaftsfotografie lernen: Leading Lines
Leading Lines führen den Betrachter ins Bild

 

8. Das richtige Equipment

 

Besorge dir die richtige Ausrüstung um tolle Landschaften zu fotografieren. Damit meine ich nicht in erster Linie eine bessere Kamera oder ein teures Weitwinkelobjektiv. In erster Linie geht es darum, dass ein Stativ in der Landschaftsfotografie mehr oder weniger unumgänglich ist. Mit diesem kann die Sensorempfindlichkeit konstant tief auf ISO 100 o.Ä. gehalten werden, was die Bildqualität steigert. Ausserdem erlaubt es dem Fotografen, mit ND-Filtern zu arbeiten. Diese dienen dazu, das Bild massiv abzudunkeln und dadurch sehr lange Belichtungszeiten zu ermöglichen. Damit kann beispielsweise das Wasser eines Flusses oder Sees geglättet werden, was zu einer harmonischeren Bildstimmung führen kann.

Landschaftsfotografie lernen: ND Filter
Langzeitbelichtung mit ND Filter

 

9. Die Blende richtig einsetzen

 

Oftmals empfiehlt es sich, das Hauptmotiv durch eine offene Blende vom Hintergrund abzugrenzen. Das Motiv wird dadurch scharf und hebt sich somit vom unscharfen Hintergrund ab. In der Landschaftsfotografie ist ein solches Vorgehen eher die Ausnahme als die Regel. Meist will der Fotograf eine durchgehende Schärfe. Dazu muss abgeblendet werden. Als Regel gilt hier: Je kleiner die Blende (d.h. je höher der Blendenwert auf dem Display der Kamera) desto grösser ist die Schärfentiefe. Ein toller Nebeneffekt ist, dass die meisten Objektive ungefähr bei Blende 8 die beste Leistung liefern, während bei einer besonders offenen Blende oft auch die allgemeine Schärfe sinkt. Es empfehlen sich Werte zwischen f/8 und f/16 – wird weiter abgeblendet kann es zu sogenannter Beugungsunschärfe kommen, wodurch die Bildqualität abnimmt.

 

10. Vorsichtiger Umgang mit HDR

 

HDRs sind bei vielen Anfängern sehr beliebt. Die Farben leuchten, überall sind Details und Zeichnung: Das sind Faktoren, die auf den ersten Blick erstrebenswert scheinen. Bei der Anwendung von HDR Techniken ist jedoch Vorsicht geboten. Zwar heben sich die Bilder natürlich gewissermassen von den anfänglich vielleicht noch flauen Landschaftsbildern mit ausgebranntem Himmel, doch in sehr vielen Fällen sind die Bilder dennoch für die Tonne. Übersättigte Farbflächen, leuchtende Kanten und eine unharmonische (um nicht zu sagen hässliche) Farbstimmung sieht man dank HDR Programmen heute leider viel zu oft. Natürlich gibt es Fotografen, die diese Techniken sehr gekonnt einsetzen und einen tollen HDR Look erzielen – diese sind jedoch eher in der Minderheit.

Persönlich rate ich eher dazu, den Dynamikumfang seiner Kamera soweit wie möglich auszureizen und bei Bedarf einzelne Bilder manuell in Photoshop zu überblenden – etwa durch Luminanzmasken. Auch dabei sollte vorsichtig gearbeitet werden. Wer auf den Einsatz von HDR nicht verzichten möchte, dem will ich die neue HDR Funktion von Adobe Lightroom 6 und CC ans Herz legen. Mit dieser werden unterschiedlich belichtete RAW Bilder kombiniert und als DNG (Adobes RAW Format) ausgegeben. Das Resultat ist eine Art Super RAW, das die Bildinformationen aller eingelesenen Aufnahmen kombiniert. Der darauf folgende Workflow entspricht einer normalen RAW Bearbeitung und ist somit sehr intuitiv. Wer es nicht übertreibt, kann damit zu tollen Resultaten kommen.

 

Landschaftsfotografie lernen: HDR
HDRs können gut sein, wenn man nicht übertreibt

An dieser Stelle vielen Dank an alle, die noch immer dabei sind. Ich hoffe, die Tipps konnten dem einen oder anderen weiterhelfen. Solltet ihr weitere Tipps, Fragen oder Anmerkungen haben, postet sie gerne unten in die Kommentare. Wer gerne ein ehrliches Feedback, individuelles zu seinen aktuellen Landschaftaufnahmen hätte, darf mir gerne per Mail (info@severinpomsel.ch) das ein oder andere Bild oder einen entsprechenden Link zukommen lassen!

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